Little Brother – Kapitel 18

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Cory DoctorowLittle Brother
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Dieses Kapitel ist Vancouvers mehrsprachigem Sophia Books gewidmet, einem vielseitigen, spannenden Laden voll mit dem Besten, das die merkwürdige, aufregende Popkultur vieler Länder zu bieten hat. Sophia war um die Ecke meines Hotels, als ich nach Van kam, um eine Rede an der Simon Fraser University zu halten, und die Leute bei Sophia baten mich im Voraus per Mail darum, bei ihnen reinzuschauen und ihren Bestand zu signieren, wenn ich schon mal in der Nähe sei.

Als ich dort ankam, entdeckte ich eine wahre Fundgrube von Werken, die ich nie zuvor gesehen hatte, in einer verwirrenden Vielzahl von Sprachen, von Comic-Romanen bis hin zu dicken akademischen Abhandlungen, unter der Obhut von netten, ungemein lustigen Mitarbeitern, die ihre Jobs so offensichtlich genossen, dass das auf jeden Kunden abfärbte, der den Laden betrat.

Sophia Books:
http://www.sophiabooks.com/
450 West Hastings St., Vancouver, BC Canada V6B1L1 +1 604 684 0484

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Es gab mal ne Zeit, da war es meine absolute Lieblingsbeschäftigung, einen Umhang anzulegen und in Hotels rumzuhängen, um so zu tun, als sei ich ein unsichtbarer Vampir, der von jedermann angestarrt wurde.

Das ist kompliziert, aber nicht halb so bizarr, wie es klingt. Die Live-Action-Rollenspielszene verbindet die besten Seiten von „Dungeons & Dragons“ mit Drama Club und Science-Fiction-Conventions.

Es ist mir klar, dass das für euch nicht ganz so anziehend klingt wie für mich, als ich vierzehn war.

Die besten Spiele waren die in den Pfadfinderlagern außerhalb der Stadt: Hundert Teenager, Jungs und Mädchen, die sich mit dem Freitagabend-Verkehr abplagten, Geschichten tauschten, auf Handheld-Konsolen spielten und stundenlang auf den Putz hauten. Und sich dann im Gras vor einer Gruppe älterer Männer und Frauen in knallharten selbstgemachten Rüstungen aufstellten, Rüstungen mit Dellen und Kratzern, wie sie früher ausgesehen haben mussten, nicht so wie die Rüstungen im Kino, sondern so wie Soldatenuniformen nach einem Monat im Feld.

Diese Leute wurden pro forma dafür bezahlt, die Spiele zu leiten, aber solche Jobs bekamst du nur, wenn du die Sorte Mensch warst, der das auch für lau machen würde. Wir waren auf Basis der Fragebögen, die wir im Vorfeld ausgefüllt hatten, in Gruppen eingeteilt worden, und nun wurden wir unseren Teams zugeordnet, ganz wie bei der Seitenverteilung beim Baseball.

Dann bekamen wir unsere Briefings. Die waren so ähnlich wie die Briefings, die Spione in Filmen bekommen: Hier ist deine Identität, hier ist dein Auftrag, und das hier sind die Geheimnisse, die du über die Gruppe weißt.

Danach war Essenszeit: Feuer prasselte, Fleisch brutzelte am Spieß, in der Pfanne zischte das Tofu (das hier ist Nordkalifornien, hier ist die Veggie-Option nicht bloß optional), und die Tischsitten konnte man beim besten Willen nur als Zecherei bezeichnen.

Die eifrigsten Kids schalteten jetzt bereits auf ihren Rollenspiel-Charakter um. In meinem ersten Spiel war ich ein Zauberer. Ich hatte eine Tasche voller Bohnensäckchen, die Zaubersprüche darstellten – wenn ich einen warf, musste ich den Namen des Zaubers rufen, den ich anwenden wollte (Feuerball, magisches Geschoss, Lichtkegel), und der Spieler, das „Monster“, auf den ich warf, musste hintenüber kippen, wenn ich traf. Oder auch nicht – manchmal mussten wir einen Schiedsrichter rufen, der dann vermittelte, aber die meiste Zeit waren wir ziemlich gut im Fairplay. Erbsenzähler mochte keiner leiden.

Bis zur Schlafenszeit waren wir alle voll in unseren Rollen drin. Mit vierzehn wusste ich zwar noch nicht sicher, wie so ein Zauberer klingen musste, aber ich hatte meine Anregungen aus Filmen und Büchern. Ich sprach in langsamen, gemessenen Sätzen, wahrte einen angemessen mystischen Gesichtsausdruck und dachte mystische Gedanken.

Die Aufgabe war knifflig: Es ging darum, eine heilige Reliquie wiederzubeschaffen, die von einem Menschenfresser gestohlen worden war, der die Leute des Landes seinem Willen unterjochte. Aber im Grunde war das nicht so wichtig. Wichtig war für mich, dass ich eine private Mission hatte, nämlich einen bestimmten Typ Kobold zu fangen und zu meinem Vertrauten zu machen, und dass ich einen geheimen Gegenspieler hatte, einen anderen Spieler im Team, der früher, als ich ein Kind war, an einem Angriff teilgenommen hatte, bei dem meine Familie umgebracht wurde, und der nicht wusste, dass ich zurückkommen würde, um Rache zu nehmen. Und natürlich war irgendwo noch ein anderer Spieler, der ähnlichen Zorn gegen mich hegte, sodass ich bei all der angenehmen Kameradschaft im Team immer auch darauf achten musste, ob jemand versuchte, mir ein Messer in den Rücken zu rammen oder Gift ins Essen zu streuen.

Die nächsten zwei Tage lang spielten wir die Sache aus. Teile des Wochenendes waren wie Versteckspielen, andere waren wie Survivaltraining in der Wildnis, und wieder andere waren wie Kreuzworträtsellösen. Die Spielleiter hatten ihren Job toll gemacht. Und es entwickelten sich echte Freundschaften mit den anderen Leuten in der eigenen Mission. Darryl war das Opfer meines ersten Mordes, und ich kniete mich echt rein, obwohl er mein Kumpel war. Netter Kerl; wirklich schade, dass ich ihn töten musste.

Ich erwischte ihn mit einem Feuerball, während er die Beute checkte, nachdem wir eine Horde von Orks plattgemacht hatten, indem wir mit jedem Ork eine Runde Schere-Stein-Papier spielten, um auszumachen, wer den Kampf gewinnen würde. Das ist viel spannender, als es klingt.

Das war wie Sommerfreizeit für Drama-Fans. Wir quatschten in unseren Zelten bis tief in die Nacht, betrachteten die Sterne, sprangen in den Fluss, wenn uns heiß wurde, und erschlugen Stechmücken. Wir wurden beste Freunde – oder Feinde fürs Leben.

Ich weiß nicht, warum Charles‘ Eltern ihren Sohn zum LARPen geschickt hatten. Er war nicht die Art Junge, die dieses Zeug wirklich genoss. Er war eher die Sorte, die Fliegen ihre Flügel ausriss. Na ja, vielleicht auch nicht. Aber er war echt nicht der Typ, in Verkleidung im Wald rumzurennen. Er muffelte die ganze Zeit bloß rum, hatte für alles und jeden bloß Verachtung übrig und versuchte uns davon zu überzeugen, dass das alles lange nicht so toll war, wie wir glaubten. Bestimmt habt ihr solche Menschen schon getroffen: Menschen, deren selbst gestellte Aufgabe es ist, allen anderen jeglichen Spaß zu verderben.

Charles‘ zweites Problem war, dass er simulierte Gefechte einfach nicht begreifen konnte. Wenn man erst mal anfängt, im Wald rumzurennen und ausgefeilte halbmilitärische Spiele zu spielen, dann geht es ganz schnell, bis dein Adrenalinspiegel so hoch ist, dass du bereit bist, jemandem in echt an die Gurgel zu gehen. Und in diesem Zustand ist es wirklich keine gute Idee, ein Schwert, eine Keule, Lanze oder ein anderes Utensil zur Hand zu haben. Aus diesem Grund ist es in solchen Spielen jedem Teilnehmer absolut strikt verboten, einen anderen zu schlagen.

Stattdessen sind, wenn du jemandem nahe genug zum Kämpfen kommst, einige flotte Runden Schere-Stein-Papier angesagt, unter Berücksichtigung deiner jeweiligen Erfahrung und Bewaffnung und deines Gesundheitszustands. Die Schiedsrichter schlichten Streitereien. Das ist ziemlich zivilisiert und ein bisschen bizarr. Da rennst du jemandem durch den Wald hinterher, holst ihn ein, fletschst die Zähne, und dann setzt du dich mit ihm hin auf ein kleines Spielchen. Aber es funktioniert, und es sorgt dafür, dass alles sicher und spaßig bleibt.

Charles konnte das partout nicht begreifen. Ich glaube schon, dass er verstanden hatte, dass die Regel „kein Kontakt“ lautete, aber er war zugleich in der Lage, zu entscheiden, dass die Regel egal war und dass er ihr nicht gehorchen wollte. Die Schiedsrichter mussten ihn deshalb ein paar Mal an diesem Wochenende zur Ordnung rufen, und immer versprach er, sich dran zu halten, und immer ignorierte er die Regeln aufs Neue. Er war schon damals einer von den Größeren, und es machte ihm Spaß, dich am Ende einer Jagd „versehentlich“ zu tackeln. Und wenn du auf dem felsigen Waldboden landest, ist Tackling kein Vergnügen.

Ich hatte grade Darryl auf einer Waldlichtung ordentlich gequält, wo er auf Schatzsuche war, und wir lachten zusammen über meine enorme Heimtücke. Er wollte grade Monstern gehen – getötete Spieler konnten zu Monstern werden, und das bedeutete, dass mit fortschreitender Spieldauer immer mehr Monster hinter dir her waren, so dass jeder weiterspielen musste und die Schlachten immer ausschweifender wurden.

In diesem Moment kam Charles hinter mir aus dem Unterholz hervor und tackelte mich; er stieß mich so hart zu Boden, dass mir einen Moment lang die Luft wegblieb. „Hab dich!“, brüllte er. Bis dahin hatte ich ihn nur entfernt gekannt, und allzu viel von ihm gehalten hatte ich noch nie; aber jetzt war ich bereit zu töten. Langsam erhob ich mich und schaute ihn an mit seinem Grinsen und der stolzgeschwellten Brust. „Du bist so was von tot“, sagte er. „Ich hab dich astrein erwischt.“

Ich grinste, und dabei fühlte sich etwas in meinem Gesicht falsch und wund an. Ich berührte meine Oberlippe. Sie war blutig. Meine Nase blutete, und meine Lippe war aufgeplatzt, als ich nach seinem Angriff mit dem Gesicht zuerst auf einer Wurzel gelandet war.

Ich wischte das Blut an meinem Hosenbein ab und lächelte. Ich gab mir den Anschein, das alles unheimlich lustig zu finden, lachte ein bisschen und ging auf ihn zu.

Charles ließ sich nicht überlisten. Er war schon am Zurückweichen und versuchte, im Gebüsch zu verschwinden. Darryl schnitt ihm den einen Fluchtweg ab. Ich übernahm den anderen. Plötzlich drehte er sich um und rannte. Darryls Fußangel ließ ihn die Schwalbe machen. Wir stürzten uns gerade auf ihn, als wir eine Schiedsrichterpfeife hörten.

Der Schiedsrichter hatte nicht gesehen, wie Charles mich foulte, aber er hatte ihn am Wochenende beim Spielen beobachtet. So sandte er Charles zum Camp-Eingang zurück und erklärte ihm, dass er aus dem Spiel war. Charles beschwerte sich lautstark, aber zu unserer Genugtuung wollte der Unparteiische nichts davon wissen. Als Charles fort war, hielt er auch uns eine Standpauke und sagte, unsere Vergeltung sei um nichts mehr gerechtfertigt gewesen als der Angriff von Charles.

Damit war es okay. Als die Spiele an diesem Abend zu Ende waren, nahmen wir alle in den Lagerunterkünften eine heiße Dusche. Darryl und ich stahlen Charles‘ Klamotten und sein Handtuch. Wir knoteten alles zusammen und warfen die Bündel ins Pissoir. Eine Menge Jungs waren nur zu glücklich, uns beim Einweichen helfen zu dürfen – Charles war bei seinen Rempeleien ziemlich enthusiastisch gewesen.

Ich wünschte, ich hätte ihn sehen können in dem Moment, als er aus der Dusche kam und seine Kleidung entdeckte. Muss eine schwierige Entscheidung sein: Rennst du nackt durchs Camp, oder dröselst du die fest verknoteten, zugepissten Klamotten auseinander und ziehst sie an?

Er wählte Nacktheit. Ich hätte wahrscheinlich dasselbe gewählt. Wir stellten uns in einer langen Reihe zwischen den Duschen und den Baracken auf, wo das Gepäck lagerte, und applaudierten ihm. Ich stand am Anfang der Reihe und klatschte am lautesten.

[x]

Diese Wochenendlager gab es nur drei oder vier Mal im Jahr, was bei Darryl und mir – und vielen anderen LARPern – zu ernsthaften Entzugserscheinungen führte. Zum Glück gab es noch die Wretched-Daylight-Spiele in den Hotels der Stadt. Wretched Daylight ist ein anderes LARP mit rivalisierenden Vampir-Clans und Vampirjägern, und es hat seine eigenen raffinierten Regeln.

Man bekommt Spielkarten zur Bewältigung der Kämpfe, so dass jedes Geplänkel eine kleine Runde eines Strategie-Kartenspiels umfasst. Vampire können unsichtbar werden, indem sie sich ihren Mantel über den Kopf ziehen und die Arme vor der Brust verschränken; dann müssen alle anderen Mitspieler so tun, als ob sie diesen Vampir nicht sehen, und ihre Unterhaltung über ihre Pläne und so weiter fortsetzen. Einen wirklich guten Spieler erkennt man daran, dass er ehrlich genug ist, seine Geheimnisse vor einem „unsichtbaren“ Rivalen auszuplaudern und dabei so zu tun, als sei dieser gar nicht im Raum.

Jeden Monat fand eine Handvoll großer Wretched-Daylight-Spiele statt. Die Organisatoren der Spiele hatten einen guten Draht zu den Hotels der Stadt und ließen sie jeweils wissen, dass sie freitagnachts zehn bis dahin unbelegte Zimmer buchen und mit Spielern füllen würden. Die Spieler würden dann im Hotel herumstreifen und in den Korridoren, am Pool und so halbwegs unauffällig Wretched Daylight spielen, sie würden im Hotelrestaurant essen und für die Nutzung des Hotel-WLANs bezahlen. Freitagnachmittags war Meldeschluss; dann mailten die Organisatoren uns an, und wir gingen nach der Schule direkt zu dem jeweiligen Hotel, brachten unsere Schlafsäcke mit, schliefen übers Wochenende jeweils zu sechst oder acht in einem Zimmer, ernährten uns von Junk-Food und spielten bis drei Uhr früh. Es war ein nettes, sauberes Vergnügen, gegen das unsere Eltern nichts einzuwenden hatten.

Organisator war ein bekannter Bildungs-Förderverein, der Schreib-Workshops, Theaterkurse und dergleichen mehr für Jugendliche anbot. Er veranstaltete die Spiele schon seit zehn Jahren, ohne dass es je einen Zwischenfall gegeben hätte. Alles war streng alkohol- und drogenfrei, um die Organisatoren nicht irgendwelchen Vorwürfen der Verführung Minderjähriger auszusetzen. Je nach Wochenende kamen zwischen zehn und hundert Spieler zusammen, und für den Preis weniger Kinokarten hatten wir zweieinhalb Tage lang mächtig Spaß.

Doch eines Tages gelang es ihnen, einen Block von Zimmern im Monaco zu buchen, einem Hotel im Tenderloin, das sich an kunstbeflissene ältere Touristen richtete – einem dieser Orte, an denen in jedem Zimmer ein Goldfischglas stand und die Empfangshalle voll war mit wundervollen alten Menschen in feiner Kleidung, die ihre Ergebnisse plastischer Chirurgie zur Schau stellten.

Normalerweise pflegten uns die Irdischen – unser Wort für Nicht-Spieler – einfach zu ignorieren, sie hielten uns wohl für junge Hallodris. Aber an jenem Wochenende war zufällig der Herausgeber eines italienischen Reisemagazins im Hotel, und der entwickelte Interesse an der Sache. Er trieb mich in die Enge, als ich in der Halle herumlungerte in der Hoffnung, den Clan-Führer meiner Rivalen zu sehen, um mich auf ihn zu stürzen und sein Blut zu schlürfen. Ich stand mit über der Brust verschränkten Armen, also unsichtbar, an die Wand gelehnt herum, als er sich näherte und mich in holprigem Englisch fragte, was meine Freunde und ich denn an diesem Wochenende hier so trieben.

Ich versuchte ihn loszuwerden, aber er ließ nicht locker. Also dachte ich, ich könne mir ja einfach was ausdenken, damit er endlich verschwände.

Ich ahnte nicht, dass er meine Story drucken würde. Und ich ahnte noch viel weniger, dass es von der amerikanischen Journaille aufgegriffen werden würde.

„Wir sind hier, weil unser Prinz gestorben ist, deshalb mussten wir auf der Suche nach einem neuen Herrscher hierher kommen.“

„Ein Prinz?“

„Ja“, sagte ich und gewann Gefallen an der Sache. „Wir sind das Alte Volk. Wir sind im 16. Jahrhundert nach Amerika eingewandert, und seither lebte unsere königliche Familie ununterbrochen in der Wildnis von Pennsylvania. Wir leben unter einfachen Bedingungen im Wald, und wir benutzen keinerlei moderne Technik. Doch der Prinz war der Letzte seiner Abstammungslinie, und er ist vorige Woche gestorben. Eine furchtbare auszehrende Krankheit hat ihn von uns genommen. Die jungen Männer meines Clans sind aufgebrochen, die Nachkommen seines Großonkels zu finden, der zur Zeit meines Großvaters davongegangen war, um sich den modernen Menschen anzuschließen. Man sagt, er habe sich fortgepflanzt, und wir werden den Letzten seiner Linie finden und zurück in seine rechtmäßige Heimat bringen.“

Ich las damals eine Menge Fantasy-Romane. Solches Zeug flog mir nur so zu.

„Wir fanden eine Frau, die um jene Abkömmlinge wusste. Sie sagte uns, einer von ihnen sei in diesem Hotel anzutreffen, und so sind wir gekommen, ihn zu finden. Jedoch hat ein rivalisierender Clan unsere Spur hierher verfolgt, um uns davon abzuhalten, unseren Prinzen heimzubringen, um uns in Schwäche und leicht beherrschbar zu halten. Daher ist es überlebensnotwendig, dass wir unter uns bleiben. Wir reden nur mit dem Neuen Volk, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Jetzt mit Ihnen zu sprechen bereitet mir großes Unbehagen.“

Er beobachtete mich abschätzend. Ich hatte meine Arme nicht mehr gekreuzt, daher war ich für rivalisierende Vampire jetzt sichtbar; und eine von ihnen hatte sich heimlich an uns herangeschlichen. Ich drehte mich im letzten Moment um und sah sie mit ausgebreiteten Armen und zischelnd auf uns zukommen, eine Vampirin im ganz großen Stil.

Ich breitete meine Arme weit aus und zischelte zurück, dann verschwand ich durch die Empfangshalle, wobei ich über ein Ledersofa sprang und mich an einer Topfpflanze vorbeischlängelte, die Vampirin immer hinter mir her. Einen Fluchtplan durchs Treppenhaus ins Fitnessstudio im Untergeschoss hatte ich vorher schon ausgetüftelt, und dort schüttelte ich sie ab.

Den Journalisten sah ich an diesem Wochenende nicht mehr, aber ich erzählte die Story einigen anderen LARPern weiter, die sie weiter ausschmückten und keine Gelegenheit ausließen, sie wiederum weiterzutragen.

Das italienische Magazin hatte eine Mitarbeiterin, die ihre Magisterarbeit über technikfeindliche Amish-Gemeinschaften im ländlichen Pennsylvania geschrieben hatte, und sie fand uns unglaublich interessant. Auf der Grundlage der Notizen und Interview-Aufzeichnungen ihres Chefs aus San Francisco schrieb sie eine faszinierende, herzzerreißende Geschichte über diese merkwürdigen jugendlichen Kult-Angehörigen, die auf der Suche nach ihrem „Prinzen“ kreuz und quer durch Amerika reisten. Verdammt, die Leute drucken heutzutage wirklich alles.

Aber die Sache war die, dass Geschichten wie diese aufgegriffen und weiterverbreitet werden. Zuerst waren es italienische Blogger, dann ein paar amerikanische Blogger. Leute überall im Land berichteten über „Sichtungen“ von Angehörigen des Alten Volkes, wobei ich bis heute nicht weiß, ob das ausgedacht war oder ob andere dasselbe Spiel spielten.

So arbeitete sich die Story durch die Medien-Nahrungskette bis hoch zur „New York Times“, die leider einen ungesunden Appetit für Faktenrecherche hat. Der Reporter, den sie auf die Sache ansetzten, führte sie schließlich auf das Monaco Hotel zurück, wo man ihn an die LARP-Organisatoren verwies, die ihm dann lachend die ganze Geschichte erzählten.

Nun ja – ab da war LARPing sehr viel weniger cool. Wir wurden bekannt als die größten Schummler der Nation, als durchgeknallte pathologische Lügner. Die Presseleute, die wir unbeabsichtigt dazu gebracht hatten, die Story des Alten Volkes zu covern, waren nun erpicht drauf, sich selbst wieder in besseres Licht zu rücken, indem sie berichteten, wie unfassbar merkwürdig wir LARPer doch waren; und an diesem Punkt ließ Charles jeden in der Schule wissen, dass Darryl und ich die größten LARP-Weicheier der Stadt seien.

Das war kein gutes Jahr. Ein paar aus der Gang störten sich nicht dran, wir aber schon. Die Hänselei war gnadenlos. Und Charles immer vornweg. Ich fand Plastik-Gebisse in meiner Tasche; Kids, die mir in der Aula begegneten, machten „bleh, bleh“ wie ein Comic-Vampir oder sprachen in meiner Gegenwart mit aufgesetztem transsylvanischem Akzent.

Wenig später stiegen wir auf ARG um. In mancherlei Hinsicht war das noch lustiger, und vor allem war es sehr viel weniger abseitig. Aber manchmal vermisste ich doch meinen Umhang und diese Wochenenden im Hotel.

Das Gegenteil von esprit d’escalier ist, wenn alle Peinlichkeiten deines Lebens zurückkommen und dich verfolgen, auch wenn sie schon längst verjährt sind. Ich erinnerte mich an jede einzelne Dummheit, die ich je gesagt oder getan hatte, und zwar bis ins kleinste Detail. Und jedes Mal, wenn ich mich niedergeschlagen fühlte, fing ich ganz von selbst an, mich an ähnliche Situationen zu erinnern – eine Hitparade von Erniedrigungen paradierte eine nach der anderen an meinem inneren Auge vorbei.

Während ich versuchte, mich auf Masha und meinen drohenden Untergang zu konzentrieren, verfolgte mich der Vorfall mit dem Alten Volk penetrant. Es war damals ein ganz ähnliches krankes Gefühl der Verlorenheit gewesen, als immer mehr Medien die Story aufgriffen und das Risiko stieg, dass jemand herausfand, dass ich es war, der dem blöden italienischen Herausgeber, diesem Typ in seinen Designerjeans mit den schiefen Nähten, dem gestärkten Hemd ohne Kragen und der riesigen metallgefassten Brille, die Geschichte angedreht hatte.

Es gibt eine Alternative dazu, dich in deinen Fehlern zu suhlen. Du kannst aus ihnen lernen.

Jedenfalls ist das eine gute Theorie. Vielleicht besteht ja auch der Grund dafür, dass dein Unterbewusstsein all diese elenden Gespenster reanimiert, darin, dass sie irgendeinen Abschluss finden müssen, bevor sie in Frieden im Erniedrigungsjenseits ruhen können. Mein Unterbewusstsein traktierte mich mit Gespenstern in der Hoffnung, dass ich etwas tun würde, damit sie in Frieden würden ruhen können.

Auf dem ganzen Weg heim wälzte ich diese Erinnerung und den Gedanken, wie ich mit „Masha“ umgehen sollte für den Fall, dass sie mir eine Falle stellte. Ich musste irgendeine Rückversicherung haben.

Und als ich mein Haus erreichte – und die melancholischen Umarmungen von Mom und Dad, die dort auf mich warteten -, da hatte ich sie.

Der Trick bestand darin, das Ganze so zu timen, dass es schnell genug passierte, um dem DHS keine Vorbereitungszeit zu geben, aber mit genug Vorlauf, dass das Xnet Zeit haben würde, massenhaft zu erscheinen.

Der Trick bestand darin, es so zu arrangieren, dass zu viele von uns auf einem Haufen waren, um uns alle festzunehmen, und es dennoch irgendwo zu machen, wo es von der Presse und den Erwachsenen zur Kenntnis genommen wurde, damit das DHS uns nicht wieder einfach begasen konnte.

Der Trick bestand darin, dass es etwas so Medientaugliches sein musste wie die Levitation des Pentagon. Der Trick bestand darin, den Anlass für eine richtig fette Massenkundgebung zu inszenieren, so wie damals die 3000 Berkeley-Studenten, die sich weigerten, einen der Ihren in einem Polizeiauto abtransportieren zu lassen.

Und der Trick bestand darin, die Presse vor Ort sein zu lassen, bereit zu berichten, was die Polizei tat, ebenso wie 1968 in Chicago.

Es musste ein wirklich guter Trick sein.

Am folgenden Tag verschwand ich mithilfe meiner üblichen Techniken eine Stunde früher aus der Schule; es war mir egal, ob das womöglich irgendeinen neuartigen DHS-Checker auslöste, der zu einer Benachrichtigung meiner Eltern führen würde.

So oder so: Ob ich Ärger in der Schule bekam, würde nach dem morgigen Tag das kleinste Problem meiner Eltern sein.

Ich traf mich mit Ange bei ihr. Sie hatte noch früher aus der Schule verschwinden müssen, aber sie hatte ihre Regel vorgeschoben und sich benommen, als würde sie gleich umkippen, und dann hatten sie sie heimgeschickt.

Wir fingen an, die Sache im Xnet zu verbreiten. Wir sandten E-Mails an vertrauenswürdige Freunde und Instant Messages an unsere Buddy-Listen. Wir zogen über die Planken und durch die Straßen von Clockwork Plunder und erzählten es unseren Teamgefährten. Jedem genug Information zukommen zu lassen, dass er auch sicher erschien, ohne das DHS in unsere Karten schauen zu lassen, war knifflig, aber ich war mir sicher, die richtige Balance gefunden zu haben:

>  MORGEN VAMPMOB

>  Wenn du ein Grufti bist, dann putz dich raus. Wenn du kein Grufti bist, dann finde einen und leih dir seine Klamotten. Vampir ist angesagt.

>  Das Spiel beginnt Punkt acht. PUNKT ACHT. Seid da und seid bereit, euch in Teams einteilen zu lassen. Das Spiel dauert 30 Minuten, ihr habt also genug Zeit, noch rechtzeitig in die Schule zu kommen.

>  Die Location erfahrt ihr morgen früh. Mailt eure öffentlichen Schlüssel an m1k3y@littlebrother.pirate-party.org.se, und ruft für das Update um sieben Uhr eure Mails ab. Wenn euch das zu früh ist, dann bleibt die ganze Nacht wach. So machen wir es jedenfalls.

>  Das wird das Lustigste, was ihr in diesem Jahr erleben werdet, versprochen.

>  Habt Vertrauen.

>  M1k3y

Dann schickte ich eine kurze Notiz an Masha.

>  Morgen

>  M1k3y

Eine Minute später mailte sie zurück:

>  Dacht ich mir so. VampMob also. Du bist schnell. Setz einen roten Hut auf. Und bring leichtes Gepäck.

Was nimmt man mit auf die Flucht? Ich hatte schon genug schwere Säcke auf genug Pfadfinderlagern rumgeschleppt, um zu wissen, dass jedes Gramm extra bei jedem Schritt mit der geballten Macht der Schwerkraft in deine Schultern schneidet. Es ist nicht bloß ein Gramm – es ist ein Gramm, das du eine Million Schritte weit trägst. Es ist eine Tonne.

„Stimmt“, sagte Ange. „Clever. Und mehr als drei Sätze Klamotten nehmen wir auch nicht mit. Notfalls waschen wir das Zeug im Handwaschbecken aus. Lieber ein Fleck auf dem T-Shirt als einen Koffer, der zu groß und zu schwer ist, um unter einen Flugzeugsitz zu passen.“

Sie hatte eine robuste Nylon-Kuriertasche rausgekramt, deren Riemen sie über die Schulter und zwischen ihren Brüsten hindurchführte (was mich ein klein wenig ins Schwitzen brachte) und die dann diagonal auf ihrem Rücken saß. Die Tasche war innen geräumig, und sie hatte sie auf dem Bett abgestellt. Jetzt stapelte sie Kleidungsstücke daneben auf.

„Ich schätze mal, drei T-Shirts, eine lange und eine kurze Hose, drei Sätze Unterwäsche, drei Paar Socken und ein Pulli müssen reichen.“

Sie leerte ihre Sporttasche aus und suchte ihre Toilettenartikel zusammen. „Ich muss dran denken, morgen früh meine Zahnbürste einzustecken, bevor ich Richtung Civic Center losgehe.“

Ihr beim Packen zuzuschauen war beeindruckend. Sie war dabei völlig abgebrüht. Und es war verrückt – es machte mir klar, dass ich am nächsten Tag weggehen würde. Vielleicht für lange. Vielleicht für immer.

„Soll ich meine Xbox mitnehmen?“, fragte sie. „Ich hab eine Tonne Zeug auf der Festplatte, Notizen, Entwürfe und Mails. Ich möchte nicht, dass das in falsche Hände gerät.“

„Das ist alles verschlüsselt“, erwiderte ich. „Das ist bei ParanoidXbox Standard. Lass die Xbox hier, in L.A. wird es reichlich von den Dingern geben. Richte dir bloß einen Piratenpartei-Account ein, und mail dir selbst ein Image von deiner Festplatte. Wenn ich heimkomme, mach ich das auch noch.“

Das tat sie und schickte die Mail auf den Weg. Es würde ein paar Stunden dauern, bis all die Daten sich durch das WLAN ihrer Nachbarn gezwängt und ihren Weg nach Schweden gefunden hatten.

Dann schloss sie die Klappe der Tasche und zog die Kompressionsriemen an. Jetzt hatte sie etwas Fußballgroßes auf ihrem Rücken hängen, und ich starrte es bewundernd an. Damit unter der Schulter konnte sie die Straße runterlaufen, und niemand würde zwei Mal hinschauen – sie würde so aussehen, als sei sie auf dem Weg zur Schule.

„Ach, eins noch“, sagte sie, ging zu ihrem Nachttisch und holte die Kondome raus. Sie holte die Gummipäckchen aus der Schachtel, öffnete die Tasche und stopfte sie hinein, dann gab sie mir einen Klaps auf den Po.

„Und jetzt?“, fragte ich.

„Jetzt gehen wir zu dir und kümmern uns um deinen Kram. Außerdem wirds langsam Zeit, dass ich deine Eltern kennen lerne, oder?“

Sie ließ die Tasche inmitten der Klamottenstapel und des Krimskrams auf dem Fußboden liegen. Sie war bereit, das alles hinter sich zu lassen, fortzugehen, nur um bei mir zu sein. Nur um der Sache zu dienen. Das machte auch mir Mut.

[x]

Mom war schon daheim, als ich ankam. Sie hatte ihren Laptop offen auf dem Küchentisch stehen und beantwortete Mails, während sie über Headset mit irgendeinem armen Yorkshireman sprach, der mit seiner Familie Hilfe dabei benötigte, sich an das Leben in Louisiana zu gewöhnen.

Ich trat durch die Tür und Ange hinterher, grinsend wie wahnsinnig, aber zugleich meine Hand so fest drückend, dass ich spüren konnte, wie ihre Knochen aufeinanderschabten. Ich wusste nicht, worüber sie sich solche Sorgen machte. War ja nicht so, dass sie nach dem heutigen Tag noch mal allzu viel Zeit mit meinen Eltern würde verbringen müssen, selbst wenn es schlecht lief.

Mom beendete das Gespräch mit dem Yorkshireman, als wir hereinkamen.

„Hallo, Marcus“, sagte sie und gab mir einen Kuss auf die Wange. „Und wer ist das?“

„Mom, darf ich dir Ange vorstellen? Ange, das ist meine Mom, Lillian.“

Mom stand auf und nahm Ange in die Arme.

„Es ist sehr schön, dich kennen zu lernen, Liebes“, sagte sie und musterte sie von Kopf bis Fuß. Ange sah ziemlich vorzeigbar aus, fand ich. Sie zog sich anständig und dezent an, und man konnte ihr ansehen, dass sie ein heller Kopf war.

„Eine Freude, Sie kennen zu lernen, Mrs. Yallow“, sagte sie. Sie klang sehr souverän und selbstbewusst. Viel mehr als ich, als ich ihre Mom zum ersten Mal traf.

„Sag doch Lillian, meine Liebe.“ Mom achtete erkennbar auf jedes Detail. „Bleibst du zum Essen?“

„Sehr gern“, sagte Ange.

„Isst du Fleisch?“ Mom hat sich ans Leben in Kalifornien echt gut angepasst.

„Ich esse alles, das mich nicht zuerst isst.“

„Sie ist süchtig nach scharfer Sauce“, sagte ich. „Du kannst ihr auch alte Reifen anbieten, und Ange wird sie essen, solange sie sie nur in Salsa ertränken kann.“

Ange knuffte mich zärtlich in die Schulter.

„Ich hatte Thai ordern wollen“, sagte Mom. „Dann bestelle ich noch ein paar von ihren Fünf-Chili-Gerichten dazu.“

Ange dankte ihr höflich, und Mom wuselte in der Küche rum, stellte uns Saftgläser und einen Teller Kekse hin und fragte uns drei Mal, ob wir Tee haben wollten. Ich wurde allmählich hibbelig.

„Danke, Mom“, sagte ich. „Aber wir würden erst mal für einen Moment zu mir raufgehen wollen.“

Moms Augen verengten sich einen Moment lang, aber dann lächelte sie wieder. „Na sicher“, sagte sie. „Dein Vater wird in einer Stunde daheim sein, wir essen dann alle zusammen.“

Mein Vampirzeug hatte ich im hintersten Winkel des Kleiderschranks verstaut. Ich ließ Ange durchgucken, während ich meine Klamotten durchflöhte. Ich musste ja bloß bis L.A. kommen. Da gab es Geschäfte für all die Bekleidung, die ich dann noch brauchte. Ich musste bloß drei, vier Lieblings-T-Shirts und eine Lieblings-Jeans zusammensuchen, einen Deo-Roller und eine Rolle Zahnseide.

„Geld!“, sagte ich dann.

„Oh ja“, sagte sie. „Ich wollte mein Konto beim Geldomaten auf dem Weg nach Hause leerräumen. Ich hab vielleicht fünfhundert zusammengespart.“

„Echt?“

„Wofür sollte ichs denn ausgeben? Seit dem Xnet hab ich ja noch nicht mal mehr Provider-Gebühren.“

„Ich glaube, ich hab so was um dreihundert.“

„Na guck. Heb das morgen auf dem Weg zum Civic Center ab.“ Ich hatte eine große Schultasche, die ich dazu benutzte, größere Mengen Ausrüstung durch die Stadt zu schleppen. Die war unauffälliger als mein Campinggepäck. Ange ging gnadenlos durch meine Stapel durch und dampfte sie auf ihre Lieblingsstücke ein.

Als alles gepackt und unterm Bett verstaut war, setzten wir uns hin.

„Wir müssen morgen richtig früh aufstehen“, sagte sie.

„Oh ja, großer Tag.“

Unser Plan sah vor, dass wir morgen früh Nachrichten mit diversen falschen VampMob-Locations versenden würden, um die Leute an mehrere stille Orte im Umkreis von ein paar Gehminuten um das Civic Center zu schicken. Wir wollten noch eine Sprühschablone ausschneiden, mit der wir gegen fünf Uhr morgens einfach VAMPMOB CIVIC CENTER ->-> an diesen Plätzen auf die Straße sprühen würden. Auf diese Weise wollten wir vermeiden, dass das DHS das Civic Center abriegelte, bevor wir einträfen. Ich hatte den Mail-Bot so eingestellt, dass die Nachrichten um sieben Uhr rausgingen – ich musste nur die Xbox eingeschaltet lassen, wenn ich ging.

„Wie lange…“ Sie brach ab.

„Das hab ich mich auch schon gefragt“, sagte ich. „Schätze mal, das könnte eine ganze Weile dauern. Aber wer weiß? Wenn Barbaras Artikel erscheint“ – ich hatte auch eine Mail für sie in der Pipeline – „und all das, vielleicht sind wir in zwei Wochen Helden.“

„Vielleicht.“ Sie seufzte.

Ich legte meinen Arm um sie. Ihre Schultern bebten.

„Ich habe Angst“, sagte ich. „Ich glaube, es wäre wahnsinnig, keine Angst zu haben.“

„Ja“, sagte sie. „Ja.“

Mom rief uns zum Essen. Dad schüttelte Anges Hand. Er war unrasiert und sah besorgt aus, so wie er immer aussah, seit wir zu Barbara gefahren waren, aber das Treffen mit Ange brachte ein bisschen was von dem alten Dad zum Vorschein. Sie küsste ihn auf die Wange, und er bestand darauf, dass sie ihn Drew nennen möge.

Das Abendessen war wirklich ein Erfolg. Das Eis war gebrochen, als Ange ihren Zerstäuber mit der scharfen Sauce hervorholte, ihr Essen damit behandelte und die Sache mit den Scoville-Einheiten erklärte. Dad probierte eine Gabelvoll von ihrem Teller und flitzte dann in die Küche, um einen oder zwei Liter Milch zu trinken. Ob ihrs glaubt oder nicht, Mom kostete danach trotzdem und sah dabei so aus, als genieße sie es rundum. Mom, so stellte sich heraus, war ein unentdecktes Wunderkind des scharfen Essens, ein Naturtalent.

Bevor sie ging, drückte Ange meiner Mutter den Zerstäuber in die Hand. „Ich habe noch einen daheim“, sagte sie.

Ich hatte gesehen, wie sie ihn eingepackt hatte. „Und ich denke, du bist die Art Frau, die so einen haben sollte.“

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