Initiative Nachrichtenaufklärung

Initiative-Nachrichtenaufklaerung

Die Initiative Nachrichtenaufklärung ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Journalisten, die seit 1997 jedes Jahr bis zu zehn Themen auswählen, welche von den Medien nicht genügend oder gar nicht berücksichtigt wurden. Ziel der Initiative ist es, diese vernachlässigten Themen stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.

Die Jury, deren bekanntestes Mitglied wohl Günter Wallraff sein dürfte, hat nun die Wahl für die Themen des Jahres 2007 getroffen. Interessant finde ich dabei, dass auch das Thema Qualitätsverluste im Journalismus berücksichtigt wird. Denn die zunehmende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Journalisten führt dazu, dass die Berichterstattung immer oberflächlicher wird, was letztendlich ja einer systembedingten Zensur gleichkommt.

Ich folge der Idee dieser Initiative, und stelle diese vernachlässigten Themen hier kurz vor. Die Links führen auf die Webseite der Initiative Nachrichtenaufklärung, und liefern mehr Details zum jeweiligen Thema.

Vernachlässigte Top-Themen 2007

………………………………………………………………………………………………

  • Absprachen über Terminierungsentgelte im deutschen Handynetz
    spacer
    Deutsche Handynutzer zahlen seit Jahren zu hohe Minutenpreise, da es zwischen den vier Netzbetreibern T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus Absprachen über die Terminierungsgebühren gibt. Darunter werden die Kosten verstanden, die bei einem Anruf in ein anderes deutsches Mobilnetz entstehen.
    spacer
    Hier lagen Verabredungen zwischen den Betreibern über ein dauerhaft hohes Niveau vor. So entsteht den Nutzern ein jährlicher Schaden, der in die Milliarden geht. Dieses Problem wurde aufgrund der intensiven Mediendebatten über zu hohe Roaminggebühren überdeckt.

………………………………………………………………………………………………

  • Politiker behindern Einrichtung von Ombudsstellen
    spacer
    In Deutschland herrscht unter Abgeordneten eine verbreitete Abneigung gegenüber der Einrichtung von Ombudsstellen. Dabei könnten sie bei der Konfliktschlichtung zwischen Bevölkerung und Staat eine wichtige Rolle spielen und so der zunehmenden Politikverdrossenheit entgegenwirken. Politikwissenschaftler halten sie für geeignete Institutionen, um die Partizipation der Bürgerinnen und Bürger und die Kontrolle des Parlaments zu erhöhen.
    spacer
    Andere europäische Länder wie Spanien verfügen bereits über ein ausgefeiltes System regionaler und nationaler Bürgeranlaufstellen. In den Medien wird nur unzureichend über die Möglichkeiten und Mechanismen von Ombudsstellen berichtet. Dies liegt auch am mangelnden Engagement der Parlamentarier.

………………………………………………………………………………………………

  • Qualitätsverluste im Journalismus
    spacer
    Schon heute arbeitet in Deutschland jeder dritte Journalist ohne feste Anstellung. Die seit 2001 anhaltende Medienkrise lässt die Zahl der „Freien“ weiter wachsen. Fehlender Kündigungsschutz und unzureichende soziale Absicherung führen zu gravierenden Qualitätseinbußen.
    spacer
    Journalisten recherchieren weniger und verlassen sich zunehmend auf PR-Material. Unabhängige Information wird immer seltener. Da Medienbetriebe durch diese Entwicklung Kosten sparen, wird darüber kaum berichtet.

………………………………………………………………………………………………

  • Chemikalien gefährden die Fruchtbarkeit – eine „tickende Zeitbombe“?
    spacer
    Viele Chemikalien, mit denen der Mensch im Alltag in Berührung kommt, wie Lacke oder Kosmetik-Bestandteile, können Einfluss auf die Fruchtbarkeit des Menschen nehmen.
    spacer
    Nach einer großen Mediendebatte Mitte der 90er Jahre wurde das Thema von deutschen Medien kaum noch aufgegriffen – obwohl diese Stoffe biologisch nicht abbaubar sind, und ihre Konzentration in der Umwelt stetig zunimmt.
    spacer
    Einige Experten sprechen deshalb schon von einer „tickenden Zeitbombe“, über die es EU-weit auch zahlreiche neue Studien gibt.

Text1

  • Städte kippen den Baumschutz
    spacer
    In vielen Städten und Gemeinden werden übermäßig Bäume gefällt – ersatzlos. Möglich wird das durch die Abschaffung der Baumschutzsatzungen. Trotz der lauten Debatten über Umweltzonen in den Städten und das globale Klima spielt das Thema lokale Abholzung und seine Auswirkungen auch auf das Stadtklima so gut wie keine Rolle in der überregionalen Berichterstattung.

………………………………………………………………………………………………

  • Die Schweiz beschließt neue Atomkraftwerke
    spacer
    Der Schweizer Bundesrat setzt auch für die nächsten Jahrzehnte bei der Energieversorgung vor allem auf Atomkraft. Alte Atomkraftwerke sollen erneuert werden, sogar Neubauten sind im Gespräch. Obwohl seit der weltweiten Klimadebatte auch in Deutschland wieder über Atomkraft diskutiert wird, findet die Grundsatzentscheidung unseres Nachbarlandes in den deutschen Medien kaum Beachtung.

………………………………………………………………………………………………

  • Fragwürdige Auslandsgeschäfte der WestLB
    spacer
    Die WestLB hat das Goldminenprojekt eines australischen Konzerns in Indonesien mit einem Kredit unterstützt. Der zuständige Provinzgouverneur und Teile der Bevölkerung sahen die Umwelt und den Tourismus in ihrer Region aber durch eine schadstoffintensive Goldförderung gefährdet.
    spacer
    Die WestLB, an der Nordrhein-Westfalen fast 50 Prozent hält, war bereits früher wegen ihrer Finanzierung riskanter Vorhaben in Entwicklungsländern in die Kritik geraten. Die fehlende Transparenz derartiger Auslandsgeschäfte erschwert es der Politik und Bürgern, die finanziellen, sozialen und ökologischen Risiken solcher Vorhaben richtig einzuschätzen.

………………………………………………………………………………………………

  • Bundestag debattiert erstmals über Entschädigung für deutsche Kolonialverbrechen in Afrika
    spacer
    Im Juni 2007 wurde erstmals im Bundestag über eine finanzielle Wiedergutmachung der deutschen Kolonialverbrechen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika debattiert.
    spacer
    Obwohl diese vielfach als Völkermorde bewertet werden, berichten lediglich der englische Dienst der Deutschen Welle und die „Junge Welt“ – Nachrichtenagenturen kündigten weder den Termin an, noch lieferten sie Nachberichterstattung. Dadurch war der Debattentermin in den meisten Redaktionen unbekannt.

Text

………………………………………………………………………………………………

Mehr zum Thema / Related articles:

Politik

………………………………………………………………………………………………

2 Kommentare »

  1. horst meister said

    zum Thema: Baumschutz
    Ich kann Ihre Beobachtungen und Analysen nur bestätigen. Massenweise Fällungen von Stadtbäumen sind keine Meldung mehr wert! Allenfalls im lokalen Bereich der Medien werden Baum-Kahlschläge mal registriert.

    Als Beauftragter für Baumschutz und Mitglied im Landesvorstand des BUND NRW versuche ich immer wieder die Medien für den Niedergang eines Bewußtseins für den Schutz der Bäume zu interessieren- meist vergebens.

    Verwaltungen und Politik haben dieses für sie lästige Thema längst ausgeblendet. Selbst dort, wo es noch Baumschutzsatzungen gibt, werden diese kaum noch – zugunsten der Bäume – angewendet. (Stadt-) Bäume haben – außer bei einigen beharrlichen Naturschützern – schon längst keine Lobby mehr. Bei jeglicher Art von Bauvorhaben müssen als erste die Bäume dran glauben: „Bau- Schutz geht vor Baumschutz!“

    Welche der überregionalen Medien wagt es einmal in dieses Wespennest von Abhängigkeiten, politischer Ignoranz und Verwaltungs-Selbtsherrlichkeit und fachlicher Inkompetenz zu stoßen? Wissen sie Rat????

  2. rollmops said

    Leider auch nicht, siehe Punkt 3 Qualitätsverluste im Journalismus :(

RSS feed for comments on this post · TrackBack URI

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: