My Blueberry Nights

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Der Regisseur Wong Kar-Wai zählt zu meinen Lieblings-Filmemachern, denn er liebt seine Schauspieler, und das sieht man allen seinen Filmen an – sogar den misslungenen. Gleich vorweg: dazu zählt der gerade in Deutschland angelaufene Film My Blueberry Nights nicht. Denn hier hat er sich endlich von der trägen Pseudo-Symbolik seiner letzten beiden Filme 2046 und In The Mood For Love gelöst. Das mag vor allem daran liegen, dass er dieses Mal auf die Zusammenarbeit mit seinem früheren Kameramann Christopher Doyle verzichtet hat, aber das wäre eine andere Geschichte.

Jedenfalls war ich sehr gespannt auf das neue Werk dieses faszinierenden Regisseurs, der mich mit seinen ersten Filmen so verzaubern konnte. Wong Kar-Wai gelingt es, seinen Schauspielern Stimmungen intensiv zu vermitteln, und damit eine sehr intime Atmosphäre zu schaffen. In seinen frühen Filmen hatte man mehr das Gefühl, eine Seelenwanderung zu unternehmen, als im Kino zu sitzen.

Verstärkt wurde diese Intensität noch durch filmtechnische Mittel, die genau gegensätzlich zum Trend der neunziger Jahre waren. Während zum Beispiel sein chinesischer Kollege John Woo damals gerade dabei war, mit seinen Bloodshed-Filmen vor allem durch Beschleunigung zu beeindrucken, setzte Wong Kar-Wai auf Verlangsamung, also Entschleunigung.

Immer wenn die Handlung sich in seinen Filmen verdichtete, also Action-Szenen anstanden, wechselte er in eine teils extreme Zeitlupe. Oft auch in Verbindung mit einer extremen Weitwinkelperspektive, bei der die Kamera dann aber umso näher am Geschehen dran war. Oder es wurde das andere Extrem verwendet. Wenn die Geschichte sich stark einer Person näherte, dann machte das auch die Kamera. Hier wurde der Bildausschnitt dann mit einer langen Brennweite stark eingegrenzt, und dem Betrachter nur noch Fragmente der Person präsentiert. Der Faltenwurf des Kleides in starker Nahaufnahme, oder zersauste Haare mit knallfarbigem, unscharfen Hintergrund.

Das gibt natürlich eine stark verzerrte Darstellung, oder verwirrte den Zuschauer erst einmal, weshalb es bis dahin wohl kaum gemacht wurde. Aber in Verbindung mit der Zeitlupe und der passenden Musik war das ein völlig neuartiges Kinoerlebnis. Der Film Fallen Angels von 1995 zeigt das am deutlichsten, weshalb er für mich bisher auch der beste Film von Wong Kar-Wai blieb.

Die beiden nachfolgenden Filme, mit denen er weltweit bekannt wurde, waren In The Mood For Love und 2046. Und beide haben mich sehr enttäuscht, weil sie für mich Ausdruck einer stilistischen Stagnation sind. In beiden Filmen waren diese oben beschriebenen Stilmittel nämlich nur noch Selbstzweck, denen es nicht mehr gelang, zu berühren. Diese beiden Filme sind nett anzusehen, aber grottenlangweilig. Und sie strotzen nur so vor bedeutungsschwangerer Möchtegern-Symbolik.

Mit My Blueberry Nights ist der Regisseur Wong Kar-Wai endlich wieder beim Filme machen angekommen. Er setzt damit seine 1995 beendete Arbeit fort, und zeigt deutlich, dass er immer noch voller visionärer Energie steckt. Mit dieser konnte er in My Blueberry Nights nicht nur alle beteiligten Schauspieler motivieren, der Funke springt auch endlich wieder auf den Zuschauer über.

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My_Blueberry_Nights-01
Jude Law & Norah Jones

My_Blueberry_Nights-02
Norah Jones

My_Blueberry_Nights-03
Norah Jones & Natalie Portman

My_Blueberry_Nights-04
Jude Law & Norah Jones

My_Blueberry_Nights-06
David Strathairn & Norah Jones

My_Blueberry_Nights-07
Rachel Weisz

My_Blueberry_Nights-08
Norah Jones

My_Blueberry_Nights-09
Norah Jones & Jude Law

My_Blueberry_Nights-10
Natalie Portman & Norah Jones

My_Blueberry_Nights-11
Norah Jones

My_Blueberry_Nights-12
Natalie Portman & Norah Jones

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4 Kommentare »

  1. lalia said

    öh, und warum hat dir der Film nun gefallen? ^^#
    An sich schreibst du nur, was dir an den letzten Filmen nicht so gefallen hat, bei Fallen Angels aber super gut…

  2. rollmops said

    Ups, da sieht man mal, wie schwierig es manchmal ist, dass was man im Kopf hat, auch in die Tastatur hinein zu bekommen ;)

    An My Blueberry Nights hat mir vereinfacht gesagt besonders gefallen, dass dem Regisseur damit endlich wieder ein Film gelungen ist, der sehr nahe an den Figuren dran ist. Das war eben bei den letzten Filmen nicht mehr der Fall, was ich sehr schade fand, weil er meiner Meinung nach seine enorme filmische Kraft sinnlos verschwendete. Aber letztendlich ist ja nichts was man macht sinnlos, solange man daraus auch lernt, nich?!

    Jetzt klarer? ;)

  3. Anika said

    ach toll, schöe Bilder auch. Das ist auch der nächste Film auf meiner Liste. Ich freu mich schon echtechtecht:-)

  4. lalia said

    war schon klar *g* nur halt zwischen den Zeilen ;)

    ich hoffe, ich kann auch noch ins Kino …

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