Neustart beim Spiegel

Spiegel-Blattschuss

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte für mich die letzten Jahre zunehmend an Bedeutung verloren, ebenso wie der Onlineauftritt Spiegel Online. Zu oft hatte ich mich über schlampige oder manipulative Beiträge geärgert, als dass ich mit diesen Publikationen noch weiter meine Zeit verschwenden wollte.

Ja, ich wunderte mich tatsächlich, wieso ein Medienhaus den über Jahrzehnte aufgebauten Ruf so ruinieren konnte, und das von den Lesern offenbar klaglos so hingenommen wurde. Vielleicht hat sich aber auch einfach nur die Zielgruppe geändert.

Letzten Freitag hat die Mitarbeiter KG nun endlich die Reissleine gezogen:

„Spiegel“-Chefredakteur Aust muss gehen

Die Mitarbeiter KG des Hamburger Nachrichtenmagazins hat den Vertrag von Stefan Aust nicht verlängert, er läuft Ende 2008 aus.

Financial Times Deutschland,
16.11.2007

Sehr interessante Einblicke in die Hintergründe liefert ein Interview vom Freitag mit dem Ex-Spiegel Redakteur Oliver Gehrs bei n-tv, das ich hier auszugsweise zitieren muss:

Er hat alle anderen selbstbewussten Menschen aus der Redaktion getrieben, zum Beispiel Enthüllungsreporter von früher wie Hans Leyendecker, der zur SZ wechselte.

Der „Spiegel“ ist politisch gesehen überhaupt nicht mehr verlässlich gewesen und hat von Woche zu Woche seine Meinung geändert.

Wenn Sie die Welt nur noch aus den tiefen Ledersesseln ihres Porsches betrachten, dann kommen eben andere Themen ins Blatt, als hätten sie noch richtig Teil an der Gesellschaft. Vor allem, wenn diese Gesellschaft nicht nur aus Ihnen besteht, der Sie mit Frank Schirrmacher oder Matthias Döpfner im „Borcharts“ sitzen.

Es gibt wichtige Themen, die nicht aufgegriffen werden. Es wird zum Beispiel viel zu wenig über die Vorratsdatenspeicherung berichtet, bei der persönliche Daten, SMS, Emails von normalen Menschen in einem Umfang gespeichert werden, den man sich gar nicht ausmalen kann. Darüber können Sie nur in Blogs etwas lesen, aber nichts in der normalen Presse.

Oliver Gehrs bei n-tv,
16.11.2007

Bleibt zu hoffen, dass der Spiegel nach Jahren der beliebigen Stagnation nun endlich wieder zu seiner alten Relevanz zurück findet. Dieses Land hat eine starke Presse nötiger denn je – wir brauchen jedes Blatt!

via: [F!xMBR]

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1 Kommentar »

  1. Horst JENS said

    Auch ich als Österreicher hätte gerne den alten Spiegel zurück:
    „Das Sturmgeschütz der Demokratie“, kompetent und nicht anbiedernd gegenüber der Wirtschaft oder der Regierung.

    Habe ihn fast 20 Jahre lang wöchentlich gelesen, in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr. Ich kann die „Wende“ des Spiegels in Richtung Hofberichterstattung der Mächtigen zeitlich nicht genau festlegen, aber es fiel ungefähr mit dem Tod des Spiegel-Gründers zusammen (Rudolf Augstein, 2002).

    Wenn ich heutzutage einen Spiegel durchblättere fällt mir auf das die redaktionellen Beiträge zwischen all den Jaguar- und Energiekonzernanzeigen äußerst dünn wirken… bloß nicht anecken.

    Außer gegen Jausengegner wie Computerspieler oder Windradbetreiber, man ist ja „kritisch“ ;->

    -Horst, (Wien)

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