China: Merkel lobt selbstdisziplinierte Zensur

Peking-2008
Reporter ohne Grenzen

Frau Merkel ist ja gerade in China, um den Menschen dort Demokratie beizubringen. Nein, das ist nicht ironisch gemeint, zumindest nicht von ihr. Die begleitende Presse lobt ihre Bemühungen schon mal über den Klee, wie man der Süddeutschen Zeitung heute entnehmen kann:

Merkel beeindruckt regimekritische Journalisten

An dem Treffen am Dienstag nahmen vier regimekritische chinesische Journalisten teil, die sich zum Teil offen gegen die Zensur und für politische Reformen im Land ausgesprochen hatten. Zu der Runde gehörten Zhao Mu, Chefredakteur der Blog-Plattform von Yahoo, …

Süddeutsche Zeitung,
28.08.2007

Interessant, der Yahoo-Blog-Chef von China soll ein regimekritischer Journalist sein? Wie passt da seine Eigenschaft als Lohnempfänger von Yahoo zu dieser Einschätzung (Shi Tao)? Bezeichned auch hier wieder die Auslassungen, denn als bislang einzige deutschsprachige Zeitung berichtete im Internet die taz vor ein paar Tagen folgendes:

Pakt mit dem Zensurteufel

Die Internetanbieter Yahoo! und MSN haben einen „Pakt für Selbstdisziplinierung“ mit dem chinesischen Staat abgeschlossen. Er bedeutet das Ende des anonymen Blogs.

Die Tageszeitung,
24.08.2007
Das Ende des Blogs,
taz – 24.08.2007

Diese Vereinbarung besagt, dass sich jeder chinesische Blogger bei seinem Bloganbieter mit vollem Namen und Adresse registrieren muss, bevor er die Dienste nutzen kann. Während Yahoo auf Nachfragen der Presse bislang schweigt, hat Microsoft sofort reagiert und betont die Freiwilligkeit der Vorgaben dieses Vertrages:

Insbesonders haben wir die Einführung einer Echtnamen-Registrierung in unsere Windows Live Spaces Dienste in China nicht geplant.

The Register UK,
24.08.2007

Bleibt fraglich ob chinesische Blogger im Zweifelsfall so einer Aussage Vertrauen schenken würden, wenn dagegen die Option steht, wegen missliebiger Äusserungen eben mal 10 Jahre im Gefängnis zu landen.

Der chinesische Ableger von MySpace geht da gleich ganz anders vor. Er fordert seine Nutzer aus China auf, ihre Accounts zukünftig von amerikanischen Servern auf chinesische zu transferieren. Das erleichtert natürlich die Zugriffsmöglichkeiten der Zensurbehörden ungemein, und stört auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern nicht so sehr:

A notice on MySpace.com to users logging on from China gave two options. The first is to move their accounts to MySpace.cn, which is “governed under the laws and regulations of the People’s Republic of China including any such laws and regulations requiring disclosure of one’s data.” The second option is to delete their current MySpace.com account and then re-register on the site.

China View,
27.08.2007

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2 Kommentare »

  1. […] sich tatsächlich nur für mehr Meinungs- und Pressefreiheit in China eingesetzt. Die total kritischen Journalisten, die sie getroffen hat, waren n-tv zufolge der Chefredakteur der Blog-Plattform von […]

  2. […] Deutschland und China – gemeinsam wohin? Dem Thema widmet auch der Rollmops im Kanzlerbunker einen Blogeintrag: “Merkel lobt selbstdisziplinierte Zensur.” […]

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