Virtualisierte Verbrechensbekämpfung

Presseschau

Die Berichterstattung über die Duisburger Mafiamorde lässt im direkten Vergleich eine aufschlussreiche Kritik an der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK) erkennen.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete:

Nachdem vergangene Woche in Duisburg sechs Italiener offenbar Opfer von Mafia-Mördern wurden, wird in der Kriminalpolizei die Forderung laut, bei der OK-Bekämpfung die erkennende Fahndung alten Schlags wieder einzuführen. Es fehle, sagt Jansen, heute Chef des Bundes der Kriminalbeamten (BdK), „schlicht das Frühwarnsystem“.

Süddeutsche Zeitung,
19.08.2007

Die Frankfurter Rundschau ordnet diese Kritik hingegen auch historisch so ein, das deutlichere Hinweise auf eventuelle politische Verantwortliche erkennbar werden:

Tatsächlich schenkt das Bundesinnenministerium der organisierten Kriminalität offenbar weniger Aufmerksamkeit als früher.

Bis zum Jahr 2003 hatte der Bundesinnenminister, damals noch Otto Schily (SPD), beispielsweise über professionellen Menschenhandel und Prostitution auf eigenen Konferenzen berichtet.

Unter seinem Nachfolger Wolfgang Schäuble (CDU) war die organisierte Kriminalität hingegen nicht einmal eine Mitteilung mehr wert.

Frankfurter Rundschau,
21.08.2007

Zusammengefasst entsteht hier der Eindruck, dass seit dem 11. September 2001 der Fokus der Ermittlungsbehörden sich klar in Richtung Anti-Terror-Kampf verlagert hat – und das zu Lasten der sogenannten erkennenden Fahndung, also Ermittlungsarbeit mittels in ein Milieu eingeschleuster Informanten.

Man kann nun von der übertriebenen Terrorhysterie mancher Bundespolitiker halten was man will, aber spätestens hier ist eine Grenze erreicht. Diese Politiker mögen sich von Terroristen bedroht fühlen, als Bürger erwarte ich für meine mühsam erwirtschafteten Steuergelder aber ordentliche Polizeiarbeit.

Wenn sich kriminelle Banden jahrelang unbeobachtet frei entwickeln können, die Szene dann irgendwann eskaliert und dabei unbescholtene Bürger in Lebensgefahr gebracht werden, dann kann es nicht sein dass die Polizei von dieser Entwicklung keinerlei Ahnung hatte:

„Nach den Anschlägen vom 11. September wurden versierte Beamte aus der organisierten Kriminalität zur Terrorabteilung versetzt“, berichtete Albishausen. Deswegen hätten wohl die Duisburger Kollegen keine Einblicke in die Strukturen der Mafia vor Ort gehabt. Zum Beispiel seien ihnen die Besitzer der Pizzerien und die Halter von ausländischen Fahrzeugen nicht bekannt gewesen.

 

Frankfurter Rundschau,
21.08.2007

2 Kommentare »

  1. flatter said

    Rollmops!

    Noch so ein Gutmensch, der nicht kapiert, daß wir alles Erdenkliche tun müssen, um den islamfaschistischen Terror zu stoppen und daß dafür nun einmal Opfer gerbacht werden müssen.

    Zur Strafe setze ich dieses Hetzblog auf meine Blogroll, so!

    Gruß von nebenan

  2. rollmops said

    Tjaja, die lieben ‚Gutmenschen‘, wollen einfach nicht aussterben… ;)
    Vielen Dank für dein Vertrauen, das freut mich.

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