Unbequeme Presse muss sein!

Der-Standard

Die Tageszeitung Der Standard gehört bei unseren Nachbarn in Österreich zu den grossen liberalen Blättern. Vor kurzem gab es in der Führung der Zeitung einen Wechsel, und die Journalistin Alexandra Föderl-Schmid löste den bisherigen Chefredakteur Gerfried Sperl ab. Das österreichische Jugendmagazin CHiLLi führte ein Interview mit der neuen Chefredakteurin, und eine Antwort von ihr ist mir dabei besonders positiv aufgefallen:

CHiLLi: Sie möchten auch im „Standard“ einen Fokus auf Europa legen, nun ist aber bekannt, dass Europathemen wenig gelesen werden und als uninteressant gelten. Wie kann man hier das Leserinteresse wecken?

Alexandra Föderl-Schmid: Das Konzept des „Standard“ ist das richtige: Europathemen sind dem Leser überall zuzumuten. Wir wissen über die Klickzahlen des Online-„Standard“, dass EU-Themen nicht sehr sexy sind. Dennoch sind sie wichtig, weil sie jeden unmittelbar betreffen.

Es muss uns noch besser gelingen, die Brüssel-Themen auf die Ebene des Konkreten herunter zu brechen. Was dort beschlossen wird, betrifft uns alle. Da muss es uns gelingen, näher an den Menschen zu kommen.

EU-Themen sind nicht sexy
Interview mit Alexandra Föderl-Schmid
17. Juli 2007

Ich finde es erstaunlich, dass sich eine Tageszeitung so konsequent zu schwierigen Themen bekennt, anstatt blindwütig den wild aufs Boulevard klickenden Lesern hinterher zu laufen.

Denn es klingt nach einem deutlichen Bekenntnis zu einer der Kernaufgaben des Journalismus: komplexe Zusammenhänge aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft so zu vermitteln, dass ein durchschnittlicher Leser diese Themen auch nachvollziehen kann.

Dass dies aber gut ausgebildete Journalisten erfordert, die mehr zustande bringen als Pressemeldungen umzuformulieren, muss sich bei den meisten Verlagen offenbar erst wieder durchsetzen. Gute Recherche und umfangreiches Fachwissen brauchen nämlich Zeit, und Zeit kostet in einem wirtschaftlich orientierten Umfeld natürlich Geld.

Insofern möchte ich hoffen, dass dieser kleine Lichtblick aus Österreich es schafft auch auf die bundesdeutsche Presse abzustrahlen. Dieser eine Satz zeigt zumindest, dass es inzwischen wieder leitende Journalisten gibt, die erkannt haben, dass die Diktatur der Masse keine langfristige Perspektive für ein Medienhaus ist. Denn die Masse ist nicht treu, sie sucht sich Unterhaltung wo sie stattfindet, unabhängig von Marken und Werten.

Wer guten Journalismus zu schätzen weiss, tut das langfristig. Und diese Zielgruppe gilt es für ein ernsthaftes Medienunternehmen zu bedienen – wir werden diese Dienstleistung honorieren, versprochen!

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1 Kommentar »

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