Fliegen Sie nicht in die USA!

TAZ-USA

Den stetig wachsenden Datenhunger der USA auf die Fluggastdaten einreisender Personen hatte ich anhand der Berichterstattung bei der Süddeutschen Zeitung bereits vor kurzem thematisiert. Die Tageszeitung taz ist hier noch konsequenter, und packte das Thema letzten Donnerstag sehr prominent auf die Titelseite:

Fliegen Sie nicht in die USA!

Wer jetzt in die USA reist, ist ein gläserner Passagier. Seine Daten werden von der US-Regierung zur Terrorbekämpfung genutzt und gespeichert – mit Einverständnis der EU.

taz-Interview,
02.08.2007

Das Interview mit dem Datenschutzbeauftragten von Berlin, Alexander Dix, verdeutlicht einmal mehr, wie unklar für den USA-Reisenden der weitere Verbleib der erhobenen Daten ist. Dass die Daten dabei nicht einmal sicher verwahrt bleiben, zeigt zudem ein Bericht von Futurezone, dem Technikmagazin des ORF:

Die Datenbank, in der die USA Informationen von Einreisenden speichern, weist einem Bericht zufolge erhebliche Sicherheitslücken auf: Zuviele Leute haben darauf Zugriff und könnten sie sogar ungehindert verändern.

Die gespeicherten Angaben über die Reisenden könnten „weiterverbreitet, verändert, missbraucht oder zerstört werden“. Die Urheber diese Missbräuche könnten dabei nicht einmal identifiziert werden.

ORF-Futurezone,
04.08.2007

Ich finde bei dieser Sache eines sehr interessant: es wird offenbar davon ausgegangen, dass jeder Reisende alle Angaben wahrheitsgemäss macht. Das würden aber nur zwei Gruppen von Einreisenden tun: die normalen Urlauber, die wie immer nichts zu verbergen haben, und Geschäftsleute, die gewissermassen dazu gezwungen sind richtige Angaben zu machen. Ich kann mir nicht vorstellen dass ein Terrorist Angaben machen würde, die zur Aufdeckung seines Vorhabens führen würden.

Bleibt die Frage, welcher Gruppe von einreisenden Personen gilt dann das Interesse? Den Daten von zahllosen einreisenden Touristen wohl kaum. Viel interessanter dürfte es für amerikanische Behörden sein, an die Bewegungs- und Kontaktdaten von einreisenden Geschäftsleuten zu kommen. Denn damit lassen sich sehr detailierte Profile und Prognosen über bevorstehende oder geplante Geschäftsbeziehungen erstellen. Unter dem Deckmantel der „Terrorbekämpfung“ lässt sich zur Zeit eben sehr viel verkaufen, manchmal sogar ganz profane Wirtschaftsspionage…

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3 Kommentare »

  1. Teuchtlurm said

    Ich hätte mir dieses riesige Land gerne einmal angeschaut, gerne auch einige Städte dort. Aber selbst als gewöhnlicher Urlauber hätte ich kein Interesse dran, dass meine Daten dort in zig ungebetene Hände kämen. Der Gedanke ist aber auch nicht wirklich neu… ;)

    Der Teuchtlurm

  2. rollmops said

    Dieses Land ist definitiv einige Besuche wert, aber eben nicht zu diesen Bedingungen. Das ist schade, aber schliesslich ist man hierzulande inzwischen schon genug damit beschäftigt, seine persönlichsten Daten beinander zu halten. Und wie hiess der Spruch nochmal „Andere Länder haben auch schöne Strände!“ ;)

  3. Ingo said

    Das klingt nicht gut. Na dann halt noch einige Jahre warten oder über Canada einreisen…

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