G8-2001: Die blutigen Tage von Genua

Genova-2001-Diaz
Diaz Schule, Genua – 22.07.2001

Die Ereignisse bei den Protesten zum G8-Gipfel im italienischen Genua 2001 sind damals sehr schnell aus der internationalen Presse verschwunden. Kein Wunder, denn gut ein Monat später war der 11. September 2001, und der Fokus der Medien verlagerte sich schlagartig.

Die Aufarbeitung der genauen Abläufe dauert bis heute an, was auch der mangelnden öffentlichen Aufmerksamkeit zuzuschreiben ist. Trotzdem geben die Betroffenen nicht auf, denn die Regierung unter Berlusconi ging gegen die Demonstranten auf eine brutale Art und Weise vor, die in einem modernen Europa bislang unvorstellbar war.

Die Hartnäckigkeit und das beharren auf Aufklärung haben dazu geführt, daß über 80 teils hochrangige Beamte und Minister angeklagt wurden. Vor zwei Tagen nun – sechs Jahre nach den Vorfällen – hat ein Polizeioffizier sein langjähriges Schweigen gebrochen:

NZZ

Hoher Polizist bestätigt Übergriffe bei G-8-Gipfel 2001 in Genua

Sechs Jahre nach blutigen Zusammenstössen am Rande des G-8-Gipfels in Genua hat erstmals ein hoher Polizeioffizier schwere Übergriffe der Sicherheitskräfte eingeräumt.

«Vier Polizisten schlugen auf ein Mädchen mit einer Platzwunde am Kopf ein, die bereits in einer Blutlache auf dem Boden lag», sagte der Ex-Polizei-Kommandant Michelangelo Fournier bei einem Prozess in Genua.

Es habe sich um eine «Metzelei» gehandelt, sagte er nach Angaben italienischer Zeitungen vom Donnerstag. Er habe sechs Jahre lang «aus Solidarität mit seinen Kollegen» gelogen und die Übergriffe geleugnet.

Quelle: Neue Züricher Zeitung,
14.06.2007
Corriere Della Sera,
(14.06.2007, italienisch)

Der WDR hat fast genau ein Jahr später, im Juli 2002, eine sehr interessante Dokumentation ausgestrahlt, welche dieses späte Geständnis bereits lange vorweg nahm:

Die Regierung Berlusconi, seit wenigen Wochen im Amt, hatte 20.000 Polizisten zusammengezogen. Und diese prügelten und verhafteten in einer Willkür, die die parlamentarische Opposition in Rom an chilenische Zustände erinnerte. Hunderte zum Teil Schwerverletzte wurden mit gebrochenen Rippen, Beinen und Armen in Krankenhäuser eingeliefert.

Quelle: WDR,
24. Juli 2002

Und man kann sie glücklicherweise über GoogleVideo Youtube ansehen:


Playlist zeigt den kompletten Film an

Und so hat das am 2. Juni 2007 in Rostock ausgesehen, gefilmt von einem Anwohner, und mit Aufnahmen, die ich so noch nicht gesehen hatte:

  • G8 2007, Rostock


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2 Kommentare »

  1. […] auf der ISS Anti-Spam-Blacklist der iX unter Beschuss Zoll will alles über Bargeld wissen Genua und Heiligendamm Anti-Hacker-Gesetze gefährden die Sicherheit im Internet Aufwachsen in einer Gesellschaft der […]

  2. rollmops said

    Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Italien verurteilt. Die Straßburger Richter werteten einen Polizeieinsatz am Rande des G8-Gipfels 2001 in Genua als "Folter" 07.04.2015 – http://www.tagesschau.de/ausland/g8-genua-urteil-101.html

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