Taliban, Tornados & Demonstranten

Tornado T3-640

Immer mehr Menschen scheint so langsam der Kragen zu platzen, bei den gezielten und wiederholten Versuchen, die G8-Demonstranten pauschal zu kriminalisieren. Das nun aber ausgerechnet der Tornado-Einsatz beim G8-Gipfel endlich die nötige öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, wundert mich zwar etwas – wenn man sich die Repressalien gegen Gipfelgegner im Vorfeld in Erinnerung ruft – aber immerhin findet dieser Fall nun den verdienten Weg in die Mainstream-Presse.

tagesschau.de berichtete bereits gestern darüber:

Eines der Flugzeuge habe das Protestcamp Reddelich in der geringsten zugelassenen Flughöhe von 150 Metern überflogen und dabei Luftaufnahmen gemacht.

Quelle: tagesschau.de,
12.06.2007

Und seit heute finden sich auch interessante Details zu den eingesetzten Aufklärungsflugzeugen:

Der 17 Meter lange zweistrahlige Tornado kann im Tiefflug bis zu 1500 Stundenkilometer schnell fliegen. Die Aufklärungstornados sind mit Luft-Luft-Raketen vom Typ Sidewinder zur Selbstverteidigung ausgerüstet. Außerdem besitzen sie zwei 27-Millimeter-Bordkanonen.

Quelle: tagesschau.de,
13.06.2007

Bei allem Verständnis für sicherheitsrelevante Einsätze, aber wenn ein bewaffnetes Kampfflugzeug in 150 Metern Höhe in Überschallgeschwindigkeit über Zivilisten hinwegfegt, stellt sich mir die Frage, um welche Art von Amtshilfe es sich dabei handelt?! Doch nicht etwa Einschüchterung, Unruhestiftung und Angst verbreiten? Hätten diese Aufklärungsaufnahmen nicht auch mit Polizeihubschraubern durchgeführt werden können?

Die Webseite des Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“, welches den Einsatz durchführte, liefert da einen interessanten Hinweis. Unter dem Punkt „Aufgaben des Geschwaders“ findet sich neben den üblichen Fällen Katastrophenschutz und Amtshilfe (ich halte allein diese Angaben an dieser Stelle schon bedenklich!), auch diese Aufgabe:

– Demonstration der militärischen Präsenz

Quelle: Luftwaffe.de

Der Kommentar von Claus Christian Malzahn bei SpOn erfasst die Stimmung recht gut, die sich inzwischen nicht mehr stillschweigen lässt:

Big Brother im Tiefflug

Wie produziere ich eine neue Generation von linken Terroristen? Ich ordne wegen eines gefälschten Schülerausweises Hausdurchsuchungen an, sperre Weltverbesserer in Käfige und lasse Zeltbewohner von Kampfjets ablichten. Der Rest kommt schon von selbst.

Quelle: Spiegel Online,
13.06.2007

Sehr lesenswert zum Thema sind auch noch diese beiden Berichte der Süddeutschen Zeitung von heute:

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Politik

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1 Kommentar »

  1. etiennerheindahlen said

    Zum Thema „technische Amtshilfe“ durch „Tornado“-Aufklärer und zu der möglichen Verletzung unter anderem des militärischen Luftrechts habe ich mal etwas recherchiert: http://etiennerheindahlen.wordpress.com/2007/06/13/tornado-einsatz-uber-anti-g-8-camp-verstos-gegen-militarisches-luftrecht

    Ich denke, dass zur Zeit eine Reihe hochrangiger Politiker sehr von ihrer Machtfülle überzeugt ist und zugleich auf die handzahmen, mit NLP-Rechtfertigungs-Bröckchen zu fütternden Mainstream-Medien vertrauen. Könnte unter Umständen zu einer brachialen Bruchlandung führen – wobei wir alle den entstehenden Flurschaden als „Kollateral-Schaden“ zu tragen hätten.

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