Apples iPhone

Apple-iPhone

Ich bin wahrlich kein Freund absolut monopolistisch geprägter Unternehmen, was aber nicht bedeutet, ich würde mich nicht damit beschäftigen. Und ich muß der Firma Apple zugestehen, daß ihre kürzlich vorgestellte eierlegende Wollmilchsau namens iPhone verdammt vielversprechend aussieht.

So sehr ich das Touchscreen-Konzept – Oberflächen einfach durch Berührung mit den Fingern zu steuern – schätze, muß doch erst die Praxis zeigen ob das damit zufriedenstellend klappt. Für mein p910i brauche ich immer zwei Hände, und wie man in diesem Video sieht, hat Apple-CEO Phil Schiller auch beide Hände voll zu tun…

CBS-NewsApple iPhone Demonstration

(Bild anklicken zum ansehen des Videos)

Direktlink

Ist euch das zoomen bei dem Foto auch bekannt vorgekommen? Richtig, es ist die Multitouch-Technologie welche sich Apple im Juli 2004 hat patentieren lassen, und über die hier im August bereits berichtet wurde.

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Zwei Dinge sind mir aber besonders aufgefallen, abgesehen von der abartigen Geschwindigkeit, mit der bei allen Demos die Daten geladen werden. Zum einen die gelungen wirkende GoogleMaps-Integration:


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Ob sich diese wirklich praktische Funktion in Deutschland behaupten kann, wird wohl stark von den Verbindungskosten abhängen, welche dafür deutlich günstiger werden müssten. Da das Gerät in den USA vorraussichtlich nur mit Cingular-Telefonverträgen zu haben sein wird, werden sich bei Apple-Deutschland wohl bald einige Telkommunikationsfirmen die Klinke in die Hand geben. Denn falls es bei uns auch zu einem Exklusivvertrag kommen sollte, könnte dieser deutlich profitabler werden, als alle UMTS-Lizenzen zusammen.

Update: Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu heute:

Mobilfunkbetreiber buhlen um Apple-Handy

Europas Mobilfunkkonzerne rangeln um einen neuen Marketingvorteil: Sie wollen ihren Kunden das neue Apple-Handy exklusiv anbieten. Für Apple lohnt sich das aber kaum.

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Die andere besonders interessante Funktion wirkt auf den ersten Blick recht unauffällig. Bei der Musikwiedergabe werden im Breitbildmodus automatisch die Cover der Interpreten der gespeicherten Musiksammlung angezeigt. Man sieht das hier sehr schön ab der 38. Sekunde:


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Diese nett wirkende Spielerei könnte, wenn sie sich im großen Stil durchsetzen würde, dazu beitragen, den Verlust des visuellen Bezugs zu MP3-Musik wieder aufzuheben. Endlich Musik wieder anhand des Titelbildes finden, anstatt sich immer nach irgendwelchen datenbankkompatiblen Kriterien richten zu müssen – das könnte eine kleine Revolution bedeuten.

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Der Autor des SZ-Artikels weiter oben erwähnt dort auch die Vorbildfunktion, welche das iPhone auf die weitere Entwicklung mobiler Telefone haben könnte:

„So könnten asiatische Handyhersteller dem US-Konzern Apple ins Gehege kommen und für ihre Heimatmärkte eigene Geräte entwickeln, heißt es in Branchenkreisen.“

Bereits im Mai letzten Jahres stellte die chinesische Firma Longhorn aus Shenzhen ein Gerät vor, welches dem iPhone frappierend ählich sieht:

Longhorn-M18

Mit allerdings ein paar sehr offensichtlichen Vorteilen ausgestattet: Standardanschlüße für USB und SD-Karten. Bislang leider aber noch ohne Telefonfunktionalität.

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Die koreanische Firma LG Electronics gewann Mitte Dezember letzten Jahres mit dem Modell KE850 einen Design-Award. Ryan Block vergleicht bei Engadget das Aussehen der beiden Telefone direkt:

iPhone-LG-KE850

LG-KE850 Prada

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Update 14.o1.2oo7: Bei boingboing findet sich heute eine sehr interessante Zusammenfassung eines längeren Artikels aus der New York Times.

Apple Locked-in
Illustration by Christophe Vorlet

Es wird dort sehr anschaulich erklärt, warum Apples restriktive DRM-Politik für den Anwender immer eine Sackgasse bildet. Sie versuchen den Kunden zwanghaft an ihre Produkte zu binden, bieten ihnen dann aber keinerlei Möglichkeiten mehr, irgendwann auch mal wieder andere Produkte zu nutzen.

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Kategorie VIDEOS anzeigen Gadgets

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8 Kommentare »

  1. treeware said

    Du solltest bei aller Begeisterung aber auch lesen, was mit iPhone alles nicht geht, mit iPod geht und mit Mobilphone (Nokia, Sony, …) schon längst geht.

    ;)

    Grüsse,
    Olaf

  2. rollmops said

    Interessante Anregung Olaf, denn wer sich mit den Produkten dieser Firma sachlich beschäftigt, weiß daß da schon immer mehr nicht ging als andersrum. Insofern ist das gesamt betrachtet nichts Neues. Auch finde ich diese Liste der NYT unfair und deshalb unqualifiziert.

    Ich finde die von mir angesprochenen Details trotzdem hochinteressant und äußerst konsequent umgesetzt, wenn ich auch sehr bedauere, daß das ganze von so einer Firma kommt. Aber egal, für die Innovationen haben sie die Props verdient.

    Beispiel iPod:
    Sie haben es geschafft, ein Stück Hardware so benutzerfreundlich zu bekommen, daß es die Menschen gerne bedienen.

    Sie haben es geschafft, was keinem anderen bisher gelungen ist: mit den ganzen untereinander konkurrierenden Musikkonzernen soweit Vereinbarungen zu treffen, daß sie damit den auf ihre Hardware zugeschnittenen Shop iTunes mit Inhalten füllen können.

    Und sie schaffen es immer wieder, ihre gläubigen Jünger bis auf die Knochen damit zu veräppeln. Die kaufen den Kram völlig überteuert, und wundern sich dann, wenn ihre Musik auf keinem anderen Player abspielbar ist.

    Sowas muss man erstmal hinbekommen, wirklich alle Achtung wenn man dafür auch noch geliebt wird.

  3. Clemens said

    Ich habe noch eine Anmerkung zum iPod:

    Mit ein Grund für den Erfolg des iPods ist sicher, dass er absolut schick und stylisch aussieht und das Produkt so eingeführt wurde, dass jeder ihn kennt. Die Zielgruppe des iPod sind sicher nicht technisch versierte Personen, sondern Leute, die Begriffe wie „Linux“ und „Megabyte“ noch nie in ihrem Leben gehört haben.

    Beispielsweise habe ich meiner Freundin vor einem Jahr einen weissen iPod-Nano mit persönlicher Gravur geschenkt. Welcher andere MP3-Player bietet das schon. Sie hat sich riesig über das Geschenk gefreut.

    Die Bedienung ist übrigens gar nicht so toll. Beispielsweise das Ein- und Ausschalten: Dazu muss man den Play oder den weissen runden Knopf in der Mitte mindestens 2 sec lang gedrückt halten. Ich kann mir bis jetzt nicht merken, welcher der beiden Knöpfe zum Einschalten und welcher zum Ausschalten gedacht ist und bin jedesmal genervt.

  4. treeware said

    oops, wie sind wir denn auf den iPod gekommen? Ich wollte doch nur anmerken, dass auch Apple sich an den Maßstäben messen lassen muss, an denen jeder Mobiltelefonproduzent gemessen werden wird. Das alle (meiner selbst inclusive) sehr hohe Erwartungen in das iPhone gesetzt haben und jetzt ggf. entäuscht sind. Das hat nix mit dem iPod, iMac, iTunes, iBook oder iSomething zu tun. Was Apple so tut und nicht tut ist für mich als Apple Fan schon wichtig und wenn ein Produkt aus meiner Sicht nicht wirklich gut sind heisst das nicht, dass es deswegen floppt. Ich bin sogar sicher, dass es sich gut verkauft (siehe Amazon.de Vorbestellungen). Also ich bin mit meinem Nokia und meinem iPod besser bedient als mit der aktuell vorgestellten Version des iPhone.

  5. rollmops said

    Der iPod ist ein gutes Beispiel für die von dir genannten Maßstäbe, an denen sich ein Produkt messen lassen muß. Denn es ist ein populäres Produkt von Apple, daß es schon einige Jahre gibt, weshalb man es sehr gut mit anderen MP3-Playern vergleichen kann. Und da bietet der iPod, ausser daß er hübsch aussieht und gut zu bedienen ist, nicht viel für sein Geld – zumindest im sachlichen Vergleich mit anderen MP3-Playern.

    Jedoch hat er abseits vom reinen Produkt einer ganzen Industrie erst den Weg geebnet, sprich gezeigt wie man es richtig macht. Und das ist etwas was man nicht so leicht vergleichen kann, weil es eine visionäre Idee ist, die sich als massentauglich erwiesen hat – also in bare Münze umgesetzt wurde. Und zwar so, daß es irgendwann egal war, wie schrottig die Details dazu sein mögen, die Leute wollen das Ding einfach haben.

    Na ja, und mit dem iPhone könnte das ganz ähnlich laufen, denn es gibt einige technische Schmankerl die seit Jahren dahinsiechen, weil es bisher keiner geschafft hat, das Ganze in ein massentaugliches Produkt zu verpacken (UMTS, Mobile Applikationen von Yahoo und Google,…). Daß Apple das sehr ernst nimmt, zeigt schön das Multitouch-Beispiel mit dem zoomen in Fotos. Ich finde das genial, daß sie eine solche Erfindung direkt in ein benutzbares Produkt umsetzen.

    Sollte sich das iPhone wirklich in der Breite durchsetzen können, wird das den Umgang mit Fotos auf Mobilgeräten ähnlich revolutionieren, wie es der iPod mit seinem Clickwheel-Konzept vorgemacht hat. Aber das ist nur ein Teil der ganzen Geschichte, ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie sich das Ding entwickelt…

  6. NAK said

    in diesem phone steckt ja mehr drin als ich dachte!

    http://www.biertijd.com/mediaplayer/?itemid=1326

  7. rollmops said

    woah, is das mal geilomat, hihi, danke für den Hinweis NAK!!! Muss ich gleich ma hier reintun..

  8. Irregeleiteter FAn said

    Warum der Spott über Apple? Ich bin gottfroh, dass es dieses Produkte gibt. Ich arbeite seit 15 Jahren mit Macs, seit sechs beruflich mit Windows. Wer den Unterschied kennt, der liebt eben diese intelligent und nutzerfreundlich gemachten Dinger. Ausprobieren!

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