Espressoliebe

Espresso

Ich muß gestehen, ich bin Espresso-Junkie. Nicht wegen der tollen Fotos von Ellen von Unwerth, welche sie für den Lavazza-Kalender 2oo6 gemacht hatte. Na ja, nicht nur ;) Eher mehr wegen dem unvergleichlichem Kaffeearoma, wenn der Espresso gut zubereitet ist, wegen der geschmeidigen Crema und natürlich wegen der wesentlich besseren Bekömmlichkeit. Ja richtig, guter Espresso belastet den Magen kaum, da das Kaffeepulver nur kurz mit dem heißen Wasser in Berührung kommt. Daher lösen sich nur die Aromen und nicht die Gerbstoffe.

Bis es aber soweit kommt, muß einiges richtig gemacht werden, und es gibt keine Formel dafür. Bis auf ein paar Grundsätze kann man eigentlich nur ausschließen was man nicht machen sollte. Aber fangen wir am besten erstmal mit einem richtig schön gelungenen Exemplar an…

Gaggia-Achille


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Welch göttliche Crema! Aber die Maschine und damit die Technik ist nicht alles. Gut, die Wahrscheinlichkeit mit einer teueren Maschine einen guten Espresso hinzubekommen sind manchmal etwas höher als mit einer 50 Euro-Maschine. Aber es müssen nicht gleich die über tausend €uro für die Achille sein.

Da sich der Kaffee zwischen zwei Sieben befindet, welche je nach Maschine eine ganz individuelle Lochdichte und -stärke aufweisen, ist es wichtig beim Kaffee den richtigen Mahlgrad zu finden (oder bei fertig gemahlenen die Marke mit dem richtigen Mahlgrad). Dies kombiniert mit der richtigen Andruckstärke des Kaffees im Siebträger, tampen genannt, ist das Wichtigste heraus zu finden.

Nicht zu unterschätzen ist auch die richtige Espressotasse. Die sollte eine gewisse Masse haben, damit sie die Wärme des Kaffees aufnimmt, verteilt und wieder abgibt. Eine gute Espressotasse ist also eher dickwandig und hat einen runden Boden, damit die Crema sich voll entfalten kann.

Diese Hinweise sind generell dem Gelingen eines guten Espressos zuträglich:

  • finde den zu deinen Sieben passend gemahlenen Kaffee
  • finde den richtigen Anpressdruck des Kaffees im Siebträger
    (Druck zu fest=Kaffee bitter, Druck zu leicht=Kaffe kalt & zu dünn)
  • wärme alle Teile die mit Kaffee in Berührung kommen gut vor
    (wärmen, nicht heizen!)

Wenn man sich nun ansieht, was man dabei alles verkehrt machen kann, versteht man vielleicht eher, warum so wenige Menschen der Espressoliebe verfallen sind. Es gibt einfach immer noch zu wenige Gelegenheiten, an einen wirklich guten Espresso zu gelangen, so daß die meisten Menschen damit eher Attribute wie „stark“ und „bitter“ verbinden.

Rollmopso

Immer wenn ich unterwegs Espressodurst verspüre, schaue ich mir auf dem Weg zum Tresen die leeren Kaffeetassen an: hat die Crema Spuren hinterlassen? Wie sieht das Gedeck aus, ist ein Glas Wasser dazu serviert worden? Wie wird die Maschine bedient, wie riecht es dort? Und, eine hochwertig aussehende Maschine ist alles andere als ein Garant für guten Espresso. Oft wird für die Einrichtung einfach viel Geld ausgegeben, weil es schick aussieht. Und das Personal kriegt’s dann schon irgendwie hin…

So kommt es, daß mir manchmal ein Ein-Knopf-Kaffee aus dem Vollautomaten lieber ist, als eine verkorkste zu heiße und bittere Brühe aus einer mißbrauchten Edelmaschine. Denn so eine Automatenplörre ist dann meistens wenigstens noch trinkbar, im Gegensatz zur völligen Ungenießbarkeit eines mißglückten Edelsproßes. Sowas kann dann eigentlich nur noch mit Milch verpanscht werden.

Genug trockene Theorie, jetzt noch kurz entspannen bei Ellen von Unwerths Fotos, und dann noch ein paar Links zum Thema…:

via: [twenty four]

Weiterführende Links zum Thema:

Zum Schluß noch zwei Auszüge aus einem Artikel von Andreas Bernard im SZ-Magazin vom 15.12.06. Er schreibt dort über das Phänomen Espresso-Kapsel:

„Worin liegt der besondere Reiz der Espresso-Kapseln, die die Kunden dazu animieren, einen bis zu viermal höheren Preis für ein Kilo Kaffee zu bezahlen?“

„Merkwürdige Errungenschaft unserer Zeit: Die Anbindung an Orte wird allgemein als Zeichen von Rückständigkeit aufgefasst; die Anbindung an Marken gilt als Zeichen von Modernität.“

Quelle: SZ-Magazin

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Epilog: Ich selbst bin seit Jahren mit meiner AEG für hundert Euro sehr zufrieden. Als Kaffee paßt am besten Caffé Leone dazu, den ich bereits gemahlen kaufe. Mit so einer Kombination kann man die meisten Espressoextremisten wunderbar erschrecken. Um noch einen drauf zu setzen: erst letzte Woche hatte ich Gelegenheit in einer WG die neue Aldi-Maschine zu testen. Das Ergebnis mit fertig gemahlenen Lavazza war ausgezeichnet – feste Crema und perfekter Geschmack für 40 €uronen.

Also laßt euch nicht von unbedingt einzuhaltenden Temperaturen, exakt zu befolgenden Ritualen oder der einzig wahren Technik abschrecken – das einzige was zählt, sind ein paar simple Regeln und das Gefühl für die Zubereitung. Dazu muß man aber einmal im Leben einen wirklich guten Espresso genossen haben – die Suche danach ist spannend und wird göttlich belohnt.

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  • Vibiemme Domobar Super Bottomless Espresso Shot


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  • Gaggia Achille lever shot from start to finish


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5 Kommentare »

  1. maYO said

    Schöne Bilder, guter Kaffee.
    Na super, und ich sitz hier mit nem billigen Aufgebrühten. Und was mach ich jetzt? Bin mir sicher die netten Mädels von Lavazza hätten ne Idee oder zwei ;).

  2. rollmops said

    Da ich leider kein Lavazza-Girl bin, kann ich dir erstmal nur mit Ersatzbefriedigung dienen:

    http://www.espressoporn.com/

    Viel Spaß beim betrachten und schmachten! ;)

  3. leonope said

    Bekomme ein richtig schlechtes Gewissen mit meinem billigen Nescafe hier und wie ich mir die zehn Tassen täglich durch meine Speiseröhre jage…..bei soooooviel Crema:) Ich glaub ich sollte wieder mal rausgehen und schauen wo es sowas gutes gibt…aber ohne die Kellner zu beobachten, denn da würde ich wohl nie mehr einen Espresso kriegen…..salute

  4. bosch said

    Vielen Dank für diesen schönen und informativen Beitrag. Ich habe meinen Aluminiumkocher verbannt nachdem er mir um Ohren geflogen ist. Es steht hier auch noch ein verpackter billiger Espressoautomat herum, dem ich nie eine Chance gegeben habe. Ich bevorzuge den Gang in mein Lieblingscafé, obwohl ich mir daheim manchmal auch einen guten Espresso wünsche.

  5. […] […] Tags: völlerei « nacht, zerbrochen […]

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