Google urheberrechtlich

google-miro

Jedem ist das auffällie Google-Logo gestern aufgefallen – es sollte an den Geburtstag des spanischen Malers Joan Miró erinnern. Das Logo setzt sich aus Versatzstücken verschiedener Werke des surrealistischen Künstlers zusammen, und erfüllt seinen Zweck – Auffallen – hervorragend, wie ich meine.

Was mich nur sehr verwundert ist, daß offenbar keiner der Rechteinhaber gefragt wurde. Die Rechte der Werke Mirós vertritt die New Yorker Artist Rights Society, und deren Leiter Dr. Theodore H. Feder forderte Google gestern auf das Logo zu entfernen, da keine Erlaubnis zur Verwendung eingeholt wurde.

Erstaunlich. Ein börsennotiertes Großunternehmen wie Google verwendet an prominenter Stelle, anstatt des eigenen Logos, eine Kollage von Werken eines Künstlers, und ist nicht in der Lage um Erlaubnis zu fragen.

Google hat die Angewohnheit, ab und an besondere Ereignisse oder Personen durch ein modifiziertes Logo hervorzuheben:

Picasso-Google

Und bis auf den 25. Oktober 2oo2, als sie wesentlich fragmentarischeres Material des Malers Pablo Picasso verwendeten, halten sich die grafischen Arbeiten auch eher allgemein. Das ist an sich eine gute Sache, wenn auch sehr subjektiv. Sie rechtfertigt aber nicht die Verletzung der Rechte der damit ‚Geehrten‘.

Umso mehr verwundert mich die Resonanz auf diesen Fall, die sich momentan im Netz breit macht. Denn wie es scheint, steht die Netzgemeinde geschlossen hinter Google, und prügelt auf die ARSNY ein.

Liebe Kollegen, liebt ihr Google schon so sehr, daß ihr den Begriff Netiquette darüber vergesst?

Feder said the society receives hundreds of requests each day from media organizations who are interested in reproducing a copyrighted work in some form. He said the authorization process is simple: all Google needed to do was send an e-mail asking permission to use the images.

"We would have asked the estate or the family, and they would have said yes or no," he said.

The Mercury News, San Jose, 2o. April 2oo6

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11 Kommentare »

  1. Rechteinhaber said

    Hallo Du Schlaumeier…

    In Zeiten der weltweiten Vernetzung und des kostenlosen austasches von Wissen (Bilder, Kultur, News, etc.) .. scheinen solche Schlaumeier wie Du noch immer nicht zu verstehen warum Copyright die Menschheit nur einschrängt und nicht vorran bringt. Vielleicht währe es ja schon längst möglich, dass wir auf den Mars leben könnten, ja wenn es keine Copyrights geben würde!

    Ich bin nicht für die komplette Abschaffung, jedoch sollten „Rechte“ auf Gedanken, Bilder, Musikstücke, Software,… verjähren und somit es auch anderen möglich sein auf Erfolg aufzubauen und besseres zu produzieren…

    Ich hab auch schon viele „Werke“ produziert die an sich schützenswert durch Copyrights währen, jedoch betrachte ich Open Source für viel sinnvoller als ein Patent. Sollen doch ruhig M$ und Apple meine Sofware in ihre reinpacken und mitanbieten… das macht meine Software nicht nur bekannter, sondern durch die Community auch besser!

    Das Konzept versteht vielleicht keiner der nur auf’s Geld aus ist, jedoch lässt sich auch durch Open Source viel Geld machen … Beispiel: Kooperationspartner, Supportverträge, Massanfertigungen, etc. – da kommt schon einiges beisammen. Was Google macht halte ich für OK… sie machen in meinen Augen den Künstler nur bekannter und das ohne Geld für die Suchergebnisse zu verlangen… Google Adwords hällt den Laden doch nur am laufen! Open Source will never Die! Fucking Closed Source!

  2. Fluffi said

    Das ist schon gewagt, ein Bild eines Künstlers als „OpenSource“ aufzufassen.
    Irgendwie passt Kunst nicht in das Konzept von OpenSource.
    Wikipedia schreibt:
    „Der englische Ausdruck Open Source bzw. Quelloffenheit wird meist auf Computer-Software angewandt und meint im Sinne der Open Source Definition, dass es jedem ermöglicht wird, Einblick in den Quelltext eines Programms zu haben, sowie die Erlaubnis zu haben, diesen Quellcode auch beliebig weiterzugeben oder zu verändern.“

    Was soll denn der Quelltext eines gemalten Bildes sein? Der Begriff OpenSource kann lediglich noch auf Informationen und Wissen ausgeweitet werden, also vielleicht das Wissen, wie ein Bild eines Künstlers aussieht? Angenommen, man biegt die Beudeutung in diese Richtung, dann wäre es also erlaubt, ein Bild SLEBST zu malen, dass so aussieht, als sei es von einem bestimmten Künstler. Im oben beschriebenen Fall geht es aber darum, dass wirklich Stücke aus realen Bildern integriert worden sind.

    Es geht hier gar nicht um Patente oder Copyrights. Kein Künstler meldet ein Patent auf seine Art, Bilder zu malen, an. Kein Fotograf muss explizit ein Copyright für seine Fotografien setzen. Es geht hier um das URHEBERRECHT.

    Das Urheberrecht ist eines der wichtigsten Rechte, denn es gilt für jeden – ganz egal ob Groß-Konzern XY oder Lieschen Müller von nebenan. Und es gilt, sobald jemand ein Werk erschaffen hat. Wenn „Rechteinhaber“ also schreibt, er/sie habe schon viele Werke geschaffen, dann hat er/sie – tut mir leid – automatisch die Urheberrechte daran. Er/sie kann gar nichts dagegen machen, das ist einfach so.

    Und nochmal zum Vergleich Wikipedia:
    „Das Urheberrecht wird auf bestimmte kulturelle Geistesschöpfungen, Werke genannt, angewendet, zum Beispiel auf literarische und wissenschaftliche Texte, musikalische Kompositionen, Tonaufnahmen, Gemälde, Fotografien, Theater-Inszenierungen, Filme, Rundfunksendungen, Gebäude und Skulpturen.“

    AHA, Unterschied gemerkt? Moment, nochmal:
    OpenSource: Software, Informationen, Wissen
    Urheberrecht: kulturelle Geistesschöpfungen
    OpenSource: nicht materialisierbare Sachen
    Urheberrecht: Sachen, die ich real betrachten/hören kann
    OpenSource: Allgemeingut, niemand kann sagen: „ich weiß wie hoch der Eiffelturn ist und niemand anderes darf das wissen“.
    Urheberrecht: eigene Arbeit, eigenes Gut, jeder darf sagen: „dieses Bild habe ich mit eigenen Händen gemalt und niemand anderes darf es vervielfältigen“.

    Das sind echt Äpfel und Birnen.
    mfG Fluffi :)

  3. Fluffi said

    Oh pardon, ganz übersehen: die Urheberrechte verjähren natürlich, so wie „Rechteinhaber“ das gerne hätte. 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers sind seine Werke frei verfügbar. Sozusagen (mehr oder weniger) „OpenSource“, wer das so nennen will. Miro ist aber 1983 gestorben, also sind seine Bilder erst 2053 für jeden frei zu vervielfältigen, zu verbreiten und zu benutzen.
    Viele Grüße Fluffi :)

  4. Rechteinhaber said

    Nun ja das ist ja das Problem.. 70 Jahre nach dem Tod! Sofort nach dem Tod währe viel besser… (nicht unbedingt für die Verwandten, jedoch für die Geselschaft) ;-)

    Ich währe für dieses Auslaufmodell:
    Bilder und ähnliches: 2-5 Jahre nach Erscheinung
    Filme & Musik: 5-10 Jahre
    Software: 5 bis max.10 Jahre (gilt für die jewalge Versionsnummer!)
    Wissenschaftliche Forschungsergebnisse: 10 bis max. 20 Jahre
    Hardware Patente: 5 bis max. 20 Jahre

    So währen die Konzerne gezwungen ihr Produkt immer besser zu gestalten um das entsprechende Patent (teilweise) aufrecht zu halten. Tja und um das zu schaffen muss man schon Mitarbeiter einstellen, ansonsten wirds nix mit Geldverdienen…

    Heutzutage lachen doch die Konzerne über die Beschäftigen … wie einfach man sie loswerden kann (durch Übernahmen, etc.). Nur sie übersehen eine Tatsache: Ihre Mitarbeiter sind teilweise auch ihre Kunden, welche nur dann was kaufen, wenn sie sich bei der Firma gut aufgehoben fühlen…

  5. rollmops said

    Danke Fluffi für die ausführliche Erläuterung der Unterschiede!

    Lieber Rechteinhaber, ich selbst bin zB ein grosser Freund des Creative Commons Lizenzmodells, welches Inhabern von Urheberrechten endlich einen gewissen rechtlichen Rahmen, und damit Schutz, für ihr Schaffen gibt – und das abseits von den bisherigen grossen Vermarktungskonzernen. Wenn sich aber jemand für eines der Modelle entscheidet, dann ist das ganz alleine seine Entscheidung, und alle anderen haben das so hinzunehmen, punkt.

    Zudem kann jeder selbst festlegen wann Rechte an seinem Schaffen auslaufen, und ob sie das überhaupt tun sollen. Diese 70 Jahre gelten nur als Richtlinie falls dementsprechend nichts festgelegt wurde, und entsprechende Erben diese Rechte auch nicht weiter wahrnehmen.

  6. Dass Du als „Konsument“ ein Fan der CC-Lizenz bist, kann ich verstehen. Aber dieses Modell zielt doch auf eine Ausweitung der Public Domain („geistiges Allgemeingut“). Das bedeutet, dass möglichst viele Werke der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, damit auch Künstler davon profitieren. Diese „Ausweitung“ kann auch durch eine Verkürzung der Laufzeit von Verwertungsrechten geschehen.

    Mit Verwertungsrechten wären wir beim Thema. Die verbinden nämlich Urheberrecht, Patentrecht und Markenrecht. Die von Fluffi erläuterten „Unterschiede“ sind imho Bullshit (sorry für die harsche Wortwahl). Rechteinhaber hat völlig recht, wenn er Creative Commons mit Open Source vergleicht, denn das Modell ist an diesem angelehnt. Sicher gilt es in anderen Bereichen, nämlich da, wo das klassische Urheberrecht greift, während Open Source im Softwarebereich gilt. Da gilt zwar AUCH das Urheberrecht, aber zusätzlich gibt es die viel kritisierten Softwarepatente. Creative Commons ist aus der Open Source Bewegung sogar schon mal als zu „lasch“ kritisiert worden, wenn ich mich recht erinnere.

    Das Ganze heisst dann zwar nicht mehr „Open Source“, sondern „Open Content“, aber die Idee ist dieselbe. Es geht auch darum, auf Werken anderer aufbauen zu können. Ähnlich wie bei Computerprogrammen mehrere Leute an einem Projekt arbeiten können oder man bestehenden Code verwenden kann (nach dem Motto: warum soll man etwas neu programmieren, wenn es das schon gibt?) kann auch Kunst entstehen (Marcel Duchamp, Andy Warhol…). Wenn die verflixten Verwertungsrechte nicht wären, könnte unsere Kultur viel reicher sein, denn Kunst und Kultur war schon immer ein Sampeln und Kopieren.

    Und ich finde es absolut wichtig, das auch im Zusammenhang mit Patent- und Markenrecht zu sehen (also alles, was als „geistiges Eigentum“ / „Intellectual Property“ bezeichnet wird), damit klar ist, dass nicht einseitig den Künstlern die Rechte beschnitten werden sollen, sondern im Gegenteil eine Situation geschaffen werden soll, von der alle profitieren.

  7. […] Eine interessante Meinungsverschiedenheit bei Rollmops. bs […]

  8. rollmops said

    Bevor wir uns hier in Grundsatzdiskussionen verzetteln, möchte ich den Fokus doch wieder mehr etwas in Richtung des aktuellen Falls lenken.

    Es ging mir in dem Artikel darum, darauf hinzuweisen daß ein millionenschweres Unternehmen sich ungefragt am Fundus eines Künstlers bedient, um damit seine eigene Attraktivität zu steigern. Und daß fast die komplette Netzgemeinde völlig unreflektiert hinter diesem Verhalten steht, sich auf den ‚freien Geist‘ und die kostenlose Werbung berufend.

    So sehr ich Google schätze, da wirds mir angst und bange.

  9. Falk said

    Mal ein kurzer Einwurf, bevor ich mich zu diesem aktuellen „Fall“ mal etwas genauer informiere. Die Diskussion ging ja auch hier (und jetzt vermute ich das im Orginal auch) ja völlig am Thema vorbei.

    Fakt ist (und da hat Rechteinhaber recht), dass man Dinge wie „geistiges Eigentum in der heutigen Zeit diskutieren kann, muss und sollte.

    Fakt ist allerdings auch, dass das Urheberrecht in der jetzigen Form einfach mal Bestand hat. Und selbst wenn man sich dagegen auflehnt, man dies niemals durch einen Rechtsbruch tun sollte.

    Beziehen kann man das letztere durchaus auch auf die gesamte Diskussion, die sich rund um das Thema Musik im Netz, Tauschbörsen und ähnliches dreht. Man kann nunmal nicht einfach hingehen und sich die Gesetze dorthin biegen, wohin man sie gern hätte, indem man sie schlicht mißachtet.

    Das funktioniert nunmal nicht.

  10. Das macht Sinn, die Diskussion afs Thema zurückzulenken. Auch Falk stimme ich zu, dass man sich möglichst nicht durch Rechtsbruch gegen bestehende Gesetze auflehnen sollte.

    Andererseits kann sich ein Unternehmen wie Google so einen Rechtsbruch wahrscheinlich leisten. Ich könnte mir eventuell auch vorstellen, dass die die (finanziellen) Risiken so eines Urheberrechtsverstoßes kennen und einkalkulieren. Insofern geht es wohl wirklich am Thema vorbei, hier über Tauschbörsen und so zu reden, denn hier liegt eindeutig eine kommerzielle Nutzung vor. Ich erinnere mich an einen Fall (bzw. zwei Fälle), wo Tom Waits gegen die unerlaubte Verwendung seines „Images“ geklagt hat, einer davon in Deutschland, der andere in Spanien (kommt da nicht auch Miro her?): http://www.presseportal.ch/de/story.htx?nr=100496380http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Biz=mu&Nnr=198452&NL=MA

  11. Falk said

    „Andererseits kann sich ein Unternehmen wie Google so einen Rechtsbruch wahrscheinlich leisten.“

    Ist ja auch nicht eine Frage des Könnens, sondern des Dürfens. Allerdings zeigen sehr aktuelle Themen ja, das man sich dann, wenn die Lobbie groß genug ist, schon auch mal Gesetze zurechtbiegen kann, wie man grad lustig ist. Obwohls alles andere als witzig ist…

    Von daher kann ich den Wind, der dem Künstler da entgegenweht eigentlich nicht wirklich verstehen. Es sei denn, dass es allgemein nun schon angenommen wird, das alles, was Kunst ist als Allgemeingut aufzufassen wäre. Dem gegenüber steht dann derzeit aber noch kein ädaquater Ausgleich von berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Künstler. Denn wenn man schon Kunst als Allgemeingut ansieht, dann sollte die Allgemeinheit auch dafür sorgen, dass die Künstler nicht verhungern.

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