The man with the Movie Camera (1929)

Dziga Vertov - The man with the movie Camera

[1929::1999] – zuerst war der Film des russischesn Experimentalpionieres Denis Arkadievitch Kaufman (aka Dziga Vertov), dann kam 70 Jahre später die passende Musik dazu – vom Cinematic Orchestra aus dem Umfeld des englischen Ninja Tune Projektes.

Wie es dazu kam, und warum das Ergebnis eine magisch-faszinierende Symbiose aus Bild und Ton ergibt, kann man nun selbst sehen – The man with the Movie Camera

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Der Film dauert etwas über eine Stunde und ist die ersten Minuten ein Stummfilm – er beschreibt einen Tag im Leben des damaligen russischen Arbeiterproletariates. So setzt die Musik erst ein, wenn der Tag sich zu regen beginnt, und ich empfehle Vollbilddarstellung mit ordentlicher Musikwiedergabe (Bass!).

Wie Vertov selbst sagt, handelt es sich dabei um ein Experiment ohne Drehbuch und Handlung. Die frühen Filme zeigten ja erst einmal nur alltägliches Geschehen, dann fingen die ersten Filmemacher an, kleine Handlungen darzustellen und mit Dramaturgie zu experimentieren.

Was diesen Film nun so besonders macht, dass er sogar Charlie Chaplin bei seinem Film Modern Times (1936) beeinflusste, sind die neuartigen Experimente mit den Mitteln welche das Medium Film bietet: Split-Screen, Überblendungen, perspektivische Dynamik und dergleichen mehr.

Elizaveta Svilova (Schnitt) - Dziga Vertov (Regie) - Mikhail Kaufman (Kamera)

Dabei arbeitete Vertov mit seiner Frau Elizaveta Svilova (Schnitt) und seinem Bruder Mikhail Kaufman (Kamera) zusammen. Mikhail filmte seinen Bruder beim Filmen, was oft haarsträubende Situationen ergab:

Man_with_the_movie_Camera-1
Hier fahren drei Automobile nebeneinander. Der Kameramann steht auf der Fahrertür während sie über grobes Kopfsteinpflaster fahren.

1999 entwickelte das Cinematic Orchestra für ein Konzert, in dem Teile des Films gezeigt wurden, eigene Kompositionen, welche so gut beim Publikum ankamen, daß sie beschlossen den kompletten Film neu zu vertonen. Die DVD des ganzen Projektes bekommt man in den üblichen englischen Versandshops hier oder über Ninja Tune direkt:

The man with the Movie Camera bei Ninja Tune

Diesen und noch einige weitere Filme aus der Frühzeit der Filmgeschichte bietet Bibi aus São Paulo, Brasilien über ihr Filmweblog Cinematógrafo an. Dort fand ich auch den Verweis auf einen weiteren Film von Dziga Vertov – Kinoglaz, den cineastischen Star der Weltausstellung 1924 in Paris, der dort wegen des ungewöhnlichen Schnitts und der Vertov-typischen extremen Kamerperspektiven Aufsehen erregte. Hier der Film in seiner ganzen Länge:

  • Dziga Vertov – Kinoglaz (1924)

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6 Kommentare »

  1. Stephan sagte

    Wow..danke für diesen tollen Beitrag. Mal sehen, wann ich für den ganzen Kram Zeit habe.

    Irgendwie sind die flash-videos nicht akzeptabel. Es wird so langsam Zeit, für universal p2p-Transfer, damit man bessere qualität bekommen kann. Irgendwie muss das Problem des Content-Transfers besser gelöst werden. Genauso bequem, nur besser, mit mehr Beteiligten. Mit besseren Caches etc.

  2. Christian sagte

    Stephan: Einfach die Download-Version bei Google nehmen. Zumindest beim Mann mit der Kamera ist die von optimaler Qualität.

  3. rollmops sagte

    Stephan: freut mich daß dir der Bericht gefällt, danke. Das mit der Qualität finde ich gar nicht mal so schlimm, wenn man bedenkt welche Anbindung ans iNet die meisten noch haben. Im Verhältnis dazu passt's doch eigentlich. Und die meisten kann man sich eh in besserer Qualität downloaden, wie Christian schreibt.

    Christian: finde ich interessant daß du den deutschen Wikipedia Artikel dazu angestossen hast. Wann war denn das? Da hat dich diese Kombination aus Bild & Ton wohl auch so weggebeamt, wie's mir 2003 beim ersten sehen passiert ist ;)

  4. Christian sagte

    rollmops: Das muss 2004 gewesen, so als kleine Fingervorübung vor dem Beginn meines Filmwissenschaftsstudiums ;-) Ich hoffe, du hattest dein Wertow-Initiationserlebnis auch in einem Kinosaal und nicht nur auf einem Bildschirm?

  5. rollmops sagte

    Na ja, ein Kinosaal nicht, aber viel besser: es war im August 2oo3 bei einer halblegalen Vorführung im Wohnzimmerkino der Raumwandler-Jungs. Sehr bequem, mit Sofas, aber trotzdem grosse Leinwand und fett Sound. Kam sehr gut rüber und ich bin denen heute noch dankbar für dieses besondere Erlebnis. Seitdem hab ich den Film selbst schon ein paar Mal Open-Air vorgeführt, und es waren alle eigentlich immer richtig berührt davon. Witzig auch, daß immer wenn ich mir die Musik ohne den Film gebe, alle Szenen im Kopf ablaufen. Das ist den Jungs vom Cinematic Orchestra schon verdammt gut gelungen, muss man so sagen.

  6. Christian sagte

    rollmops: Den Score vom Cinematic Orchestra habe ich in der Google-Version zum ersten Mal gehört; bisher von mir erlebte Kinoaufführungen (zwei oder drei) verliefen stumm (im Berliner Arsenal-Kino, der Film ist u.a. offenbar einer der Lieblingsfilme des Chefs vom Arsenal und der Deutschen Kinemathek, Ulrich Gregor, und wird dort regelmäßig gezeigt, aber sie zeigen dort Stummfilme meistens stumm, da sie jeden Monat so viele zeigen, dass sie nicht für jeden sich Klavierbegleitung leisten können), und ansonsten kenne ich an DVD-Versionen nur eine mit einem auch sehr passenden Score vom Alloy Orchestra sowie eine mit einem Score von Michael Nyman (die ich leider verliehen und nie wieder bekommen habe). Ich hoffe, du besitzt auch eine Version mit dem vorzüglichen, höchst informativen und blickschärfenden Audiokommentar des Filmwissenschaftlers Juri Tsivian? ;-)

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